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Wuppertal: EBV reißt acht Häuser ab

Wuppertal : EBV reißt acht Häuser ab

Die Ankündigung hat viele Mieter verunsichert. In die modernen Neubauten will die Gesellschaft 15 Millionen Euro investieren.

Vohwinkel. Viel vor hat die Eisenbahn-Bauverein Wohnungsbaugenossenschaft (EBV) an der Tesche. Langfristig sollen dort acht alte Häuser abgerissen werden und dafür moderne Wohnungen entstehen. Betroffen sind die Gebäude Memeler Straße 48, 50, 52, 54 und 56 sowie Nathrather Straße 41, 43 und 45. Deren insgesamt 71 Bewohner wurden bereits schriftlich über die Maßnahme informiert.

Die EBV eG Elberfeld mit Sitz in Vohwinkel betont, dass allen Mietern preiswerter Wohnraum in anderen Genossenschaftshäusern angeboten werde. Zudem würden die Umzugskosten übernommen. Auch eine Rückkehr in die neuen Häuser an der Tesche sei nach deren Fertigstellung zu günstigen Konditionen möglich. Die EBV verweist außerdem darauf, dass der Neubau frühestens 2019 beginne. Trotzdem hat die Ankündigung bei den Bewohnern für Verunsicherung gesorgt. „Ich habe davon nach meinem Urlaub erfahren und bin erst einmal aus allen Wolken gefallen“, sagt Mieterin Martina Siebel. Die 77-Jährige wohnt seit 2004 in einem der betroffenen Häuser. „Ich habe mehrere Nächte nicht geschlafen“, erzählt Siebel. Ihre Wohnung sei alten- und behindertengerecht eingerichtet und durch die Lage im Erdgeschoss gut zu erreichen. Die Seniorin befürchtet, dass es für sie schwer wird, Vergleichbares zu finden.

„Wir werden für alle Bewohner und natürlich gerade für unsere älteren Mieter eine zufriedenstellende Lösung finden“, verspricht dagegen EBV Geschäftsführer Gerd Schmidt. Es gebe genug geeignete Genossenschaftswohnungen in Vohwinkel. Die EBV Elberfeld möchte den Bewohnern auch finanziell entgegenkommen. „Es wird niemandem ein wirtschaftlicher Nachteil entstehen“, sagt Schmidt. Er hat Verständnis dafür, dass einige Mieter aufgebracht seien. „Das ist natürlich ein sehr emotionales Thema“, räumt der Geschäftsführer ein. Allerdings führe am langfristigen Abriss der Häuser von 1926 kein Weg vorbei. „Der finanzielle Aufwand für eine Sanierung wäre höher als ein Abriss und Neubau“, erläutert Gerd Schmidt. „Außerdem bekommen wir einige Probleme mit der alten Bausubstanz nicht in den Griff“, ergänzt er. Dazu gehöre eine Beeinträchtigung durch Hellhörigkeit und die Barrierefreiheit bei den oberen Etagen.

Die neuen Häuser sollen dagegen in einer modernen Bauweise mit Aufzügen, Balkonen und einer Tiefgarage entstehen. Dafür will die EBV mit zehn bis 15 Millionen Euro kräftig investieren. Im Vorfeld ist noch ein Architektenwettbewerb geplant. All das werde Zeit brauchen. „Es kann auch sein, dass es drei bis fünf Jahre dauert, bis wir anfangen können“, sagt Gerd Schmidt. Das hänge auch davon ab, ob eine neue Baugenehmigung notwendig ist. Mit der Stadt habe es bereits erste Vorgespräche gegeben. Die Verwaltung will mit Verweis auf den frühen Stand des Verfahrens diesbezüglich keine Einschätzung abgeben. „Grundsätzlich gilt, dass ein Bebauungsplan notwendig ist, wenn im Vergleich zur vorhandenen Bebauung das Verhältnis von Freifläche zu Nutzfläche geändert wird oder eine andere Geschosshöhe geplant ist“, sagt Bauressortleiter Jochen Braun. Ein entsprechendes Verfahren dauere etwa anderthalb Jahre.

Laut dem Bergischen Mieterring haben die Bewohner bei einer Kündigung wegen Abriss ein Widerspruchsrecht. Der Vermieter müsse den Abbruch begründen. Falls die Kosten einer Sanierung nachweislich höher seien als die eines Neubaus, sei allerdings eine Genehmigung wahrscheinlich.