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Bauern in Wuppertal: „Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand“

Sinkende Preise : Bauern: „Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand“

Die Ortsbauernschaften machen beim Sommerempfang der Wuppertaler Landwirtschaft auf ihre schwierige Situation aufmerksam.

Einkaufen im Hofladen, ein Spaziergang entlang der Felder oder ein Besuch der Kinder bei den Tieren: Gerade in Zeiten der Pandemie haben auch die Menschen in der Bergischen Region den Reiz der Landwirtschaft für sich entdeckt. Was Familien vor allem als idyllisches Ausflugsziel wahrnehmen, ist für die heimischen Betriebe allerdings oft mit einem Kampf ums wirtschaftliche Überleben verbunden.

Ihnen machen sinkende Preisen, Flächenfraß, Klimawandel und seit anderthalb Jahren auch noch Corona zu schaffen. Diese schwierige Situation war auch Thema beim traditionellen Sommerempfang der Wuppertaler Landwirtschaft. Auf dem Gelände des Hofbetriebs Huppertsberg in Ronsdorf trafen sich am vergangenen Dienstag die Ortsbauernschaften Ost und West zum Austausch mit der Politik. Eingeladen waren unter anderem die Fraktionen des Stadtrats, die Bundes- und Landtagsabgeordneten von Wuppertal sowie Oberbürgermeister Uwe Schneidewind. Bei der Veranstaltung sparten die Landwirte nicht mit deutlichen Worten.

Preise im Sinkflug,
Lieferketten unterbrochen

„Viele Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand, manche sind auch schon durch die Wand durch“, betont der Vorsitzende der Ortsbauernschaft Wuppertal-Ost, Martin Dahlmann im WZ-Gespräch. Aufgrund der Pandemie seien Lieferketten für den Export weggebrochen und die Preise befänden sich weiterhin im Sinkflug. „Wir gehen davon aus, dass zehn Prozent der Höfe in der Region mittelfristig aufhören werden“, erklärt Dahlmann. Angesichts dieser dramatischen Situation sei der Ruf nach weiteren Umweltauflagen in Verbindung mit hohen Investitionen fatal. „Irgendjemand muss das alles bezahlen, denn die Landwirtschaft allein ist dazu nicht in der Lage“, stellt der Ortsbauernschaftsvorsitzende klar.

Immer strengere Auflagen
sorgen für steigende Kosten

Ähnlich sieht es sein Kollege Tim Neues, Vorsitzender der Ortsbauernschaft Wuppertal-West. Von der Politik werde immer wieder eine nachhaltige Produktion gefordert, aber die Realität sehe anders aus. „Wir bemühen uns, dem Verbraucher hochwertige Lebensmittel anzubieten und dann stapelt sich im Discounter das Billigfleisch“, ärgert sich der Landwirt. Gleichzeitig seien die neuen Auflagen in Zusammenhang mit einer immer unübersichtlicher werdenden Bürokratie kaum zu bewältigen. „Allein für die Aufbereitung von Gülle zahlen wir mittlerweile das Vier­einhalbfache des früheren Betrags“, betont Tim Neues. Nach 25 Jahren im Beruf frage er sich immer öfter, ob die heimische Landwirtschaft unter den aktuellen Bedingungen noch eine Zukunft habe.

Oberbürgermeister Uwe Schneidewind zeigte beim Empfang Verständnis für die Sorgen der Landwirte. Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit sowie die Wirtschaftlichkeit der Betriebe müssten Hand in Hand gehen. Hier sei ein Abwägungsprozess der Interessen zusammen mit gemeinsamen Lösungen gefragt.

Ein positives Beispiel ist die Situation von Gastgeber Andre Huppertsberg. Er und seine Familie betreiben an der Friedrichshöhe einen kleinen Bauernhof mit Pferdepension. Noch läuft die Arbeit im Nebenerwerb. „Durch Corona ist das Interesse an unserem Betrieb und besonders am Umgang mit den Pferden aber stark angestiegen“, berichtet Andre Huppertsberg. Außerdem habe seine Tochter gerade eine Ausbildung zur Pferdewirtin abgeschlossen. Aus der Nebentätigkeit könnte daher bald ein Hauptberuf werden. „Wir haben aber auch eine besondere Situation“, erläutert Huppertsberg.