Bäume weichen für die Zauneidechse

Die Deutsche Bahn muss Ausgleichsflächen für das Reptil schaffen.

Vohwinkel. Dass Bäume für den Naturschutz weichen müssen, kommt eher selten vor. In Vohwinkel wurde die Böschung südlich der Homannstraße gerodet, um der Zauneidechse neuen Lebensraum zu erschließen. Das europarechtlich streng geschützte Reptil hat einen Teil seiner Heimat entlang der Bahntrasse durch die Verlegung von Kabelschächten zwischen Gruiten und Steinbeck verloren.

Hintergrund ist die Erneuerung der dortigen Stellwerksanlagen. Die Bahn muss daher Ausgleichsflächen schaffen. In Abstimmung mit der Stadt wurde das abschüssige Gelände an der Homannstraße besonders günstig für die Lebensbedingungen der Zauneidechse beurteilt. Dies liegt auch an der starken Population im Wuppertaler Westen. Allerdings lässt sich das Reptil gern die Sonne auf die ledrige Haut scheinen und klettert dafür bevorzugt auf Steine. Schatten mag es überhaupt nicht, weshalb die Bäume gefällt werden mussten.

Irritiert über diese Maßnahme zeigte sich die Vohwinkeler Bezirksvertretung, wo die Rodung von der Verwaltung erläutert wurde. Kritik gibt es auch, weil in der Nähe der Fläche Wohnraum entstehen soll und die Bäume einen Schall- und Sichtschutz zur Bahntrasse darstellten. Überhaupt ist das Thema Zauneidechse in Vohwinkel umstritten und spielte beim Bau des Mittelstandsparks VohRang eine wichtige Rolle. Dort werden auf einem zwölf Hektar großen Areal entlang der Bahntrasse kleine und mittelständische Firmen angesiedelt.

Darüber gerieten Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) und der Naturschützer Jörg Liesendahl aneinander. Sechs Hektar im Südwesten des Areals blieben für die Eidechsenart erhalten, was ein Drittel der Gewerbefläche ausmacht. Jung hätte sich die Ansiedlung von mehr Unternehmen gewünscht und bezeichnete das Reptil bei der Grundsteinlegung als „sehr hässliches Tier“. Liesendahl reagierte mit einem offenen Brief, in dem er Jung für seine Äußerung scharf kritisierte.