250 Mieter leben seit drei Monaten ohne Heizung in Vohwinkel

Streit zwischen Wuppertal und Haan : 250 Mieter in Wuppertal leben seit drei Monaten ohne Heizung

„Wir bekommen überhaupt keine Rückmeldung“: Anwohner an der Erkrather Straße ärgern sich über fehlende Informationen seitens des Vermieters LEG.

. Das derzeit freundliche Wetter lässt eher an den Spätsommer als an den Herbst denken. Wenn sich die wärmenden Sonnenstrahlen in den Abendstunden verabschieden, kann es allerdings empfindlich kühl werden. In den vergangenen Tagen sanken die Temperaturen auch schon mal in Richtung der fünf Grad ab. Kommende Woche könnte das sommerliche Intermezzo dann mit der nächsten Kaltfront schon wieder vorbei sein. Wohl dem, der eine funktionierende Heizung hat. Bei rund 250 Anwohnern der oberen Erkrather Straße ist das nicht der Fall. Ihre Heizkörper bleiben bereits seit drei Monaten kalt. Betroffen sind 96 Wohnungen in vier Häusern. Diese befinden sich im Bestand der LEG Immobilien AG. Grund für den Ausfall ist ein Defekt in der zentralen Heizungsanlage. Eine Reparatur ist bisher noch nicht erfolgt.

Entsprechend genervt sind die Mieter. Sie bemängeln außerdem fehlende Informationen durch den Vermieter. „Wir bekommen überhaupt keine Rückmeldung“, sagt Michael Gerhardt. Das zuständige Serviceunternehmen sei schwer bis gar nicht zu erreichen. „Nach dem Ausfall der Heizung ist einfach gar nichts passiert, um den Defekt zu beheben“, beschwert sich der betroffene Mieter. Gerade in den Nachtstunden sei die Situation schwierig. „Wir haben zwar Heizlüfter bekommen, aber die helfen nur begrenzt“, berichtet Gerhardt. Zudem verursache deren Einsatz hohe Stromkosten. „Es muss endlich etwas passieren“, betont der Rentner.

Laut LEG sind mehrere Servicefirmen abgesprungen

Die LEG bedauert die Situation und verspricht Besserung. „Die längerfristigen Verzögerungen bei der Reparatur der Heizungsanlage entsprechen in keiner Weise unseren eigenen Ansprüchen, und dafür entschuldigen wir uns von ganzem Herzen bei unseren Mietern“, erklärt Sprecherin Judith-Maria Gillies. Ursache für den Heizungsausfall sei ein unglückliches Zusammenspiel verschiedener Defekte in der Anlage.

„Zurückzuführen sind die Verzögerungen auf Kapazitätsengpässe bei den beauftragten Reparaturunternehmen. Bevor wir in dieser Woche endlich die Auftragsbestätigung des Reparaturunternehmens bekommen haben, waren uns mehrere angefragte Fachunternehmen teilweise auch nach einer verbindlichen Zusage abgesprungen“, berichtet Gillies. Jetzt werde versucht, die Reparaturarbeiten so schnell wie möglich voranzutreiben.

Zusätzlich zu den Heizlüftern werde als weitere Überbrückungsmöglichkeit die Verfügbarkeit einer mobilen Heizungsanlage und ihre Einsatzmöglichkeit in der Erkrather Straße geprüft. „Sofern in der erforderlichen Größe verfügbar und einsetzbar, werden wir die Aufstellung als Interimslösung in die Wege leiten“, sagt die Sprecherin.

Michael Gerhardt und die anderen Mieter hoffen jetzt auf eine baldige Umsetzung der Maßnahmen. Andreas Wiemann, Geschäftsführer des Mieterbundes Wuppertal und Umgebung hat zu dieser Jahreszeit regelmäßig mit Heizungsausfällen zu tun. „Gerade zu Beginn der Heizperiode passiert das bei alten Anlagen häufiger“, berichtet der Experte. Vermieter müssten nach einer Benachrichtigung umgehend reagieren. Falls das nicht passiert, könnten Bewohner die Miete kürzen. Dafür gelten je nach Beeinträchtigung unterschiedliche Regelungen. „Das ist vom Einzelfall abhängig“, sagt Andreas Wiemann.

Grundsätzlich müsse eine Wohnung tagsüber mindestens 20 Grad und nachts 18 Grad warm sein. Die Ausgabe von Heizlüftern reiche bei längerem Ausfall nicht. Zudem müsse der Vermieter die Kosten für einen dadurch verbundenen höheren Stromverbrauch übernehmen. „Das kann etwa über einen Vergleich der Stromrechnungen ermittelt werden“, sagt Wiemann.

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