24 Stunden in Vohwinkel (4): Die Nacht an der Nietmaschine

24 Stunden in Vohwinkel (4): Die Nacht an der Nietmaschine

Tags schlafen, nachts arbeiten — im Schichtdienst bei Böco schätzen die Angestellten die nächtliche Ruhe.

Vohwinkel. Jeder Handgriff sitzt. Innerhalb weniger Sekunden bewältigt Beatrix Mann 17 Arbeitsschritte und montiert ein komplexes Verschlussteil für die Motorhaube eines Pkw. So viel Sicherheit erfordert jede Menge Erfahrung und vor allem volle Konzentration. Letztere zu bewahren, ist angesichts der ungewöhnlichen Uhrzeit schon eine besondere Herausforderung.

Es herrscht tiefe Nacht in Vohwinkel, doch beim Unternehmen Böddecker & Co (Böco) an der Flieth läuft die Produktion auf Hochtouren. 55 Mitarbeiter sind beim Schichtdienst zu vorgerückter Stunde im Einsatz und die Arbeit verläuft ebenso effektiv, wie am Tag. Schließlich darf das Ergebnis qualitativ nicht von den hohen Standards des Automobilzulieferers abweichen. „Man muss auch nachts topfit sein“, sagt Beatrix Mann, die mit ihren flinken Fingern drei weitere Teile zusammengesetzt hat.

Auf einer Fertigungsstraße werden diese anschließend von einer Kamera geprüft und danach fest vernietet. „Ich arbeite gern zu dieser Uhrzeit, da ist es ruhiger“, erklärt die Mitarbeiterin. Allerdings kommt nach ihrer Aussage gegen vier Uhr morgens ein toter Punkt, der überwunden werden muss.

„Am besten ist es, aktiv zu bleiben, wenn man sich hinsetzt, ist es vorbei“, erklärt Fertigungsleiter Benjamin Riehl. Er hat früher oft selbst nachts gearbeitet und kennt die damit verbundene Belastung. „Ausreichend Schlaf im Vorfeld ist wichtig“, ergänzt Schichtleiter Frank Baumgarten. Er weiß um die Versuchung, nach dem Feierabend in den frühen Morgenstunden noch private Erledigungen zu machen. „Ich versuche, mir keine Termine auf den Vormittag zu legen“, sagt Baumgarten.

Bei Böco wird während der Woche im Dreischichtbetrieb gearbeitet. „Wir produzieren nicht auf Lager, sondern abrufgerecht“, erläutert Benjamin Riehl. Das bedeutet eine Montage rund um die Uhr. „Die erste Nachtschicht ist immer schwierig, aber dann gewöhnt man sich daran“, erzählt Lisa Lieba. Sie arbeitet an einer Nietmaschine und ist für sogenannte Fanghaken in der Motorhaube verantwortlich. Grundsätzlich macht es auch ihr nichts aus, zu dieser Zeit im Betrieb zu sein.

Trotz nachtschlafender Zeit sogar bestens gelaunt ist Gaetano Ruocco. Er betreut als Maschineneinrichter die neue Scharnieranlage. Als modernster Teil der Fertigung ist sie der ganze Stolz der Firma und sorgt auch bei Ruocco für glänzende Augen. „Das ist eine tolle Herausforderung“, erzählt er. Überhaupt ist trotz maschineller Produktion der Mensch unverzichtbar. Die Mitarbeiter sorgen mit ihrer fachkundigen Tätigkeit für einen reibungslosen Ablauf der Montage — auch während die meisten Vohwinkeler schon lange selig schlummern.

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