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WZ-Mobil am Ascheweg: „Die Aufregung ist übertrieben“

WZ-Mobil am Ascheweg: „Die Aufregung ist übertrieben“

Am Ascheweg trinken junge Leute häufig Alkohol und feiern — zuletzt mehrere hundert bei einer Facebook-Party. Am WZ-Mobil sagten Jugendliche und Ältere ihre Meinung.

Ronsdorf. Dieser Abend hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Bei der sogenannten Facebook-Party am vergangenen Freitag kamen rund 700 überwiegend jugendliche Besucher zum Ascheweg, um gemeinsam zu feiern. Nachdem mindestens eine Flasche geworfen und bengalische Feuer gezündet worden waren, lösten mehr als 100 Polizisten die Veranstaltung auf.

Auch an „ganz normalen“ Tagen sitzen oft junge Leute am Ascheweg und trinken Alkohol — ein Ärgernis für einige Anwohner. Am WZ-Mobil kamen am Mittwoch am Ascheweg Jugendliche und ältere Anwohner zu Wort.

Solange es keine Randale gibt, ist es für Anke Hanau in Ordnung, dass sich junge Leute in der Öffentlichkeit treffen. Beängstigend an großen Partys findet sie nur, dass meist „nicht nur die Friedlichen“ da sind. Ein Problem hat sie mit den Hinterlassenschaften der Jugendlichen. „Wie will man seinem Kind erklären, dass man seinen Müll aufheben muss, wenn hier der Müll zum Erscheinungsbild des Ortes gehört?“, fragt sie. So sieht es auch Friedrich Keller: „Wo sollen die Jugendlichen denn sonst hin? Meinetwegen können sie hier feiern, sie sollen nur ruhig sein.“

Für Tim S. (15) sind Treffen im öffentlichen Raum eine gute Möglichkeit, sich mit Leuten zu treffen, ohne irgendwo viel Geld für Eintritt oder Mindestverzehr ausgeben zu müssen. Er war bei der Facebook-Party am Freitag dabei und hat das Geschehen beobachtet. Aus seiner Sicht war es bis zum Beginn des Polizeieinsatzes ein schöner Abend, und es hätte so weitergehen können. „Direkt die ganze Party aufzulösen, war nicht in Ordnung“, meint er.

Eine besondere Erfahrung mit dem Ordnungsamt hat Fabian B. (16) an diesem Abend gemacht. Er habe sich mit einigen Freunden ungefähr eine Stunde vor dem offiziellen Beginn in der Grünanlage Ascheweg aufgehalten. „Das Ordnungsamt hat uns kontrolliert und sofort einen Platzverweis erteilt“, berichtet er.

Die Freundinnen Kaja Hempel (19) und Maike Zech (20) waren bei der Party dabei. „Es war total friedlich und lustig“, erzählt Maike. „Aber nach dem Flaschenwurf ist die Polizei auf alle losgegangen.“ Die beiden hätten sich dann zurückgezogen und in eine Seitenstraße gestellt. „Die Polizisten haben trotzdem Pfefferspray eingesetzt — und das, obwohl wir die Party ja bereits verlassen hatten“, sagen beide und sind immer noch fassungslos. „Es hat sich hochgeschaukelt, aber eigentlich waren es nur einzelne Randalierer. Es war falsch, die ganze Party zu zerschlagen.“

Auch Abiturient Matthias Kremer findet, dass die Polizei zu hart durchgegriffen hat. Er selbst wurde sogar bis tief in die Nacht in Gewahrsam genommen, obwohl er laut eigener Aussage nur friedlich gefeiert habe. „Wenn 41 Leute mitgenommen werden, aber nur drei von ihnen angezeigt werden, zeigt das doch, dass nicht nur Schuldige in Gewahrsam saßen.“

Horst Gonter hat Verständnis für die Polizisten. „Die müssen da ja reingehen — ob sie wollen oder nicht“, sagt er. „Wer sich an so einer Veranstaltung beteiligt, muss damit rechnen, dass es Ärger gibt.“

„Es ist ein Trauerspiel, dass wir uns so auf der Nase herumtanzen lassen“, sagt Volker von der Horst. „Und natürlich ist es immer am einfachsten, die Schuld auf die Polizei zu schieben.“ Die Initiatoren sollten sich melden, damit man sie zur Verantwortung ziehen könne — andere müssten sich ja auch an strenge Auflagen halten. „Und was soll überhaupt der Sinn so einer Party ein?“, fragt er.

Ganz anders schätzt Anke Baldauf die Situation ein. Sie habe eine „aggressive Hundertschaft“ gesehen, die „ganz schrecklich mit den Jugendlichen umgegangen“ sei. „Mein Vater war selbst Polizist, ich hatte immer eine gute Meinung von der Polizei — aber am Freitag ist viel kaputt gegangen“, sagt sie. Am Ende, als die Situation kurz vor der Eskalation stand, sei sie die Entscheidung der Polizei, die Veranstaltung aufzulösen, aber trotzdem richtig gewesen.

Verständnis für die Jugendlichen hat Nicole Fuhrmann: „Mit 13 kann man noch ins Jugendzentrum gehen, aber mit 17 macht man das nicht mehr“, sagt sie. Allerdings ist sie auch genervt: „Ich habe jetzt schon einen Horror vor den Ferien — unter dem Gegröle, den Scherben und dem Wildpinkeln leiden die Anwohner.“