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Wuppertaler Extreme: Der kälteste Arbeitsplatz der Stadt liegt in Ronsdorf

Wuppertaler Extreme: Der kälteste Arbeitsplatz der Stadt liegt in Ronsdorf

Im Kühlhaus von Alexander Bölke herrschen bis zu minus 40 Grad.

Ronsdorf. Alexander Bölke hat den vermutlich coolsten Arbeitsplatz der Stadt: Er betreibt an der Scheidtstraße in Ronsdorf ein Kühlhaus. Minus 20 Grad sind es dort ständig, wenn ein Mieter es möchte, dann kann er sogar bei minus 40 Grad schockgefrieren.

Foto: Schinkel

Die minus 40 Grad sind aber die absolute Ausnahme im Unternehmen, sagt Bölke. Seine Kunden lagern lieber bei um die minus 20 Grad. Und das ist immer noch "saukalt", wie er sagt. Für das Foto ist er zwar in den Kälteschutzanzug gestiegen, normalerweise arbeitet er im T-Shirt gut zwölf Meter unter der Erde. „Ach, ich bin das ja von jungen Jahren an gewöhnt“, sagt der gelernte KFZ-Mechaniker.

Seine Oma habe das Tiefkühlhaus vor rund 77 Jahren gegründet, wann genau wisse niemand mehr. „Das muss um 1937 rum gewesen sein“, schätzt er. Damals lief das Tiefkühlgeschäft noch richtig gut. Seine Oma hat die Wirte der Stadt mit Stangeneis versorgt. Massive, eiskalte 1,80 bis zwei Meter lange Eisstäbe, die damals die Bierfässer kalt hielten. Aber immer mehr Kneipen bekamen eigene Kühlanlagen und Stangeneis war nicht mehr nachgefragt.

Heute kühlt Alexander Bölke vor allen Dingen Lebensmittel auf 500 bis 1000 Quadratmetern Fläche: „Je nachdem wie viel Platz die Kunden brauchen.“

Und so kalt, wie es sich anhört, ist es in den Kühlkammern nicht. Mit dem Fahrstuhl geht es acht Meter in die Tiefe, rundherum sind 30 Zentimeter Stahlbeton, dazu noch mal 20 Zentimeter Isolierung — dort bleibt es auch dauerhaft kalt. Es ist eine sehr trockene Kälte, sie fühlt sich wie in den Supermarkt-Tiefkühlschränken und -regalen an. Minus 20 Grad in der Natur sind dagegen nicht gut auszuhalten ohne entsprechenden Schutz.

Aktuell sind noch ein paar Reste da — vier Paletten Würstchen, Meeresfrüchte, hochwertiges Schweinefleisch. "Sieht immer noch nach viel aus", Bölke lacht. „Im Frühjahr hab ich 500 Tonnen hier.“ Dann lagern die Metzger das Fleisch für die Grillsaison ein. Ein russischer Kunde hat aber auch Beerenextrakt gelagert. „Keine Ahnung, wie er das nachher verarbeitet.

Aber auch hier schrumpft das Geschäft. „Moderne Kühlung findet heute auf der Straße statt“, sagt er. Lieferung ist ein „Just in Time“-Geschäft, teure Lagerfläche wird immer weniger benötigt, die Ware ist quasi nur noch vom Hersteller zum Endabnehmer unterwegs.

Deswegen schrumpft der kälteste Ort der Stadt auch stetig. Die erste Etage ist bereits untervermietet. An Künstler, einen Billardclub und Pokerspieler - aber dort wird sicherlich auch eine Menge Coolness gebraucht, um ein schlechtes Blatt zu überspielen.