Weihnachtsmarkt punktet mit menschlicher Wärme

Weihnachtsmarkt punktet mit menschlicher Wärme

Wir in Ronsdorf hatte zum Budenzauber auf den Bandwirkerplatz eingeladen. Die Besucher rückten durch das Schneetreiben zusammen.

Ronsdorf. Leise rieselte der Schnee auf den Bandwirkerplatz und verbreitete in den und um die eng zusammenstehenden Buden eine kuschelige Weihnachtsmarkt-Atmosphäre. Der Abstand zwischen den Ständen war aber groß genug für die Papas, die ihre Sprösslinge auf Schlitten durch die Gänge zogen. Und unweigerlich war eines der Ziele das weiße Zelt vom Nikolaus, der gütig dreinblickend auf seinem thronähnlichen Sessel saß und in seinem großen Buch keinerlei kindliche Sünden vermerkt hatte. Stattdessen beschenkte der heilige Mann die Kleinen mit seinem Ebenbild aus Spekulatius. Zusammen mit Kinderpunsch war das genau die richtige Nachmittagsmahlzeit für den fröhlichen Nachwuchs.

Viel Schnee hatte es schon während der Nacht gegeben. Antoinette Jacobitz vom Veranstalter Wir in Ronsdorf (WiR) berichtete: „Die Jungs, die Nachtwache gehalten hatten, mussten alle 20 Minuten die Dächer der Buden vom Schnee befreien.“ Das sei besonders wichtig, da in den vergangenen Jahren schon so mancher Stand aufgrund der Schneelast zusammengebrochen sei.

Antoinette Jacobitz

Schnee, wenn er festgetreten ist, verursacht natürlich gefährliche Glätte. Aber da hatte Günther Andereya (WiR) eine glanzvolle Idee. Statt Sand oder umweltschädliches Streusalz zu verwenden, fragte er den Ronsdorfer Bauer Auer, ob er nicht noch einen Ballen Stroh übrig hätte. Harald Auer, der mit seiner durch Calvados und Holundersaft erweiterten Apfelsaft-Manufaktur ebenfalls einen gut frequentierten Stand betrieb, hatte Original Ronsdorfer Stroh auf Lager. Und alsbald war es in den Gängen nicht mehr rutschig, und Stroh, wie einst im Stall von Bethlehem, war doch allemal stilgerechter als Sand oder gar Salz. „Das Stroh wird nachher einer biologischen Verwertung zugeführt“, versicherte Andereya.

Eine nützliche Verwertung des Schnees auf dem Bandwirkerplatz hatten auch die glücklicherweise medizinisch nicht geforderten Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Sie modellierten nämlich einen kegelförmigen Schneemann, dem sie werbewirksam eine neongelbe Warnweste anzogen. Die Warnwesten verteilte das DRK übrigens gratis. Direkt gegenüber drehte sich „Knuts Zauberkreisel“, ein nostalgisches Mini-Karussell, und hat sicherlich die Großeltern unter den Besuchern an ihre Jugendzeiten erinnert.

Zu einem Weihnachtsmarkt gehört natürlich auch Kunstgewerbliches, und das gab es unter anderem auch am Stand der JVA Ronsdorf, wo die jungen Häftlinge bemerkenswert geschmackvolle Schnitz- und Tischlerarbeiten gefertigt hatten, die von zwei Damen feilgeboten wurden. Ein Drechsler bot Kurse an und hatte natürlich auch Kostproben seiner Kunst im Angebot.

Gleiches galt natürlich auch für den Sonntag, der dann gleich mit einem mächtigen Schneegestöber begann und die jungen und älteren Besucher unter die Dächer trieb, wo heiße Getränke und menschliche Nähe für höhere innere Temperaturen sorgten.

„Die vielen Menschen, die dann auch heute gekommen sind, wurden bestimmt durch einen stimmungsvollen Weihnachtsmarkt belohnt“, sagte Antoinette Jacobitz unter ihrer Kapuze strahlend.

Wer sich aber ein paar Schritte hinaus auf den Weihnachtsmarkt wagte, konnte auch „Patensteine“ erwerben. Nämlich für den Aufbau der Wagenhalle des Löschzuges der Freiwilligen Feuerwehr Ronsdorf, der ein Teil des Erlöses dieses liebenswürdigen Weihnachtsmarktes zugute kommt. Eine echte Attraktion: Patensteine textiler Art, nämlich Fan-T-Shirts — natürlich in Feuerwehr-Rot —, die es auch schafften, den wohl bisher weißesten aller Ronsdorfer Weihnachtsmärkte zu etwas ganz Besonderem zu machen.

Was fehlte, waren diengekündigten Gold-Wings. Die Motorradfahrer wollten ihre PS-starken Bikes dann doch lieber nicht auf die zugeschneiten Straßen bringen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung