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Wuppertal-Ronsdorf: Ronsdorf: Viel Grün und herzliche Menschen

Wuppertal-Ronsdorf : Ronsdorf: Viel Grün und herzliche Menschen

Ronsdorf ist beliebt bei seinen Einwohnern. Die Lebensqualität können auch Besucher erleben — ein Spaziergang durch den Stadtteil.

Ronsdorf. Nur ein paar Schritte und schon verhallt der Straßenlärm. Stattdessen sind jetzt zwitschernde Vögel zu hören. Eine kleine Oase, direkt neben dem Ortszentrum ist der kleine Park am Leyerbach. „Am Grünen Streifen“ ist ein viel zu bescheidener Name für den kleinen Park, der ein Beispiel dafür ist, wie schnell man in Ronsdorf ins Grünen kommt. Und für die Freundlichkeit der Ronsdorfer: Auch Unbekannte werden gegrüßt.

WZ-Redakteurin Katharina Rüth bewunderte die Treppe zur Lutherischen Kirche.
WZ-Redakteurin Katharina Rüth bewunderte die Treppe zur Lutherischen Kirche.

Zurück im Stadtverkehr fällt der Blick auf eine alte Eisenbahn-Achse. Letzte Erinnerung daran, dass hier einst der Bahnhof stand. Auf der großen Erläuterungstafel dahinter sind zahlreiche Fachwerkhäuser zu sehen - davon sind in Ronsdorf vor allem seit dem verheerenden Bombenangriff nicht viele übrig geblieben.

Der Leyenbach.
Der Leyenbach.

Auch wenn die Sonne nur zögerlich scheint — an vielen Stellen löffeln Menschen ein Eis, schlürfen einen Cappuccino oder essen zeitungslesend ihr Pausenbrot. Sie sitzen nicht nur auf Gaststätten-Terrassen, sondern auch in den Grünanlagen. Zum Beispiel am Leyerbach, an dem wir entlang laufen, erst am gemauerten Wasserlauf, der dem kleinen Nebenzentrum am Aschweg etwas Leben gibt, dann noch einmal Mittelpunkt einer kleinen grünen Idylle in der Stadt mit Bänken und Spielgeräten ist.

Der Spaziergang führt über die Kniprodestraße bis zur Kurfürstenstraße, wo das Alte Pastorat und ein paar weitere schöne Schieferhäuser noch einen Eindruck des einstigen Stadtbilds vermitteln. Ein Blick auf die Reformierte Kirche, die sich Stück für Stück erneuert.

Zurück geht es über die Bandwirkerstraße zur Lutherischen Kirche. Auf der Bank an der jungen Linde und der im letzten Jahr gepflanzten Lutherrose genießt jemand eine Mittagszigarre. Von der Kirche führt eine steile Treppe hinab zum Marktplatz. Ein prächtiger Aufgang zum Gotteshaus. Nur schade, dass so viele Stufen schadhaft sind, jede Stufe aus einer anderen Gesteinsart zu bestehen scheint.

Unten ist es lebhafter, hier tummeln sich Einkäufer und Spaziergänger, dazwischen Autos. Die Geschäfte ziehen Menschen in die Ronsdorfer City, die mit den Einkaufsmöglichkeiten, dem Verwaltungsgebäude, mehreren Gaststätten, dem kleinen Markt und dem grünen Bandwirkerplatz samt Spielgeräten ein echtes Zentrum ist.

Zum Ausruhen nutzen die Besucher nicht nur Caféstühle, sondern auch die Holzbänke rund um die Grünfläche. Es fällt auf, dass alle ein Schild eines Spenders oder einer Spender-Organisation tragen. Hier engagieren sich viele aktiv für eine lebenswerte Stadt.

„Einfach nur entspannen“ will zum Beispiel Lars Wulkesch. Er ist vor einigen Jahren nach Ronsdorf gezogen, findet es hier „deutlich schöner als in Barmen oder Elberfeld“, weil es ruhiger ist. Er sitzt auf der Bank, weil er den neuesten Hit auf dem Handy spielt: Pokemon Go. Er will kleine Comic-Wesen finden, die ihm sein Handy scheinbar auf dem Bandwirker-Platz zeigt, und fangen. Aus dem gleichen Grund sitzen noch weitere Besucher auf dem Platz - „hier soll es viele geben“, sagt einer.

Dazu gehört auch Simon Blank (28), der ebenfalls von Ronsdorf schwärmt: „Das ist nicht wie in der Stadt, eher dörflich.“ Überall sei man schnell im Wald. Nur zum Ausgehen müsse man nach Elberfeld. Da wünscht er sich abends bessere Busverbindungen.

Voll des Lobes ist auch Holger Baumann (51), der vor einem Jahr nach Ronsdorf zog: „Sehr angenehm“ sei es. Ihm sei die Herzlichkeit der Menschen aufgefallen, er sei schnell in Kontakt gekommen: „Hier kennen sich alle.“

Das vermisst auch eine ehemalige Ronsdorferin (35), die zu Besuch ist: „Es ist uriger hier, familiär und gemütlich.“ Sie lässt ihre Tochter (5) während einer Einkaufspause an den Spielgeräten auf dem Bandwirkerplatz toben. Ihre Mutter (64) bestätigt: „Hier kennt jeder jeden.“ Schon ihre Mutter sei aus Lüttringhausen immer nach Ronsdorf zum Einkaufen gekommen: „Hier kriegt man ja auch alles.“

Ein letzter Bogen führt vorbei an der markanten katholischen Kirche St. Joseph, erbaut in den 60er Jahren, zur Bandwirkerschule. Das klassizistische Gebäude beherbergt heute das Bandwirker-Museum, Erinnerung an das Ronsdorf prägende Handwerk. Die Talsperrenstraße führt zur Talsperre, einem wunderbaren Spazierziel im Wald, für den dieser Rundgang zu kurz ist.

Und an der Goldlackstraße lassen noch einmal mehrere alte Schieferhäuser erahnen, wie das alte Ronsdorf aussah.