Neuer Kanal sorgt für Ärger

Anwohner müssen zahlen: Am Tannenbaumer Weg haben die Kleinkläranlagen ausgedient

Ronsdorf. Am Tannenbaumer Weg in Ronsdorf benutzen 38 Häuser Gruben oder Kleinkläranlagen für ihr Schmutzwasser. Doch das kann nicht so bleiben, denn diese hätten Mängel und würden nur noch geduldet, wie es auf einer Informationsveranstaltung der WSW und der Stadt für die Anwohner hieß. Die sind davon nicht begeistert — denn sie werden an den Kosten für das neue geplante Kanalsystem beteiligt.

Margit Benner ist eine betroffene Anwohnerin. Sie ist vor allem von der Informationspolitik der Verantwortlichen verärgert: „Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden, die Diskussion heute war umsonst, Alternativen wurden ja keine geboten.“ Sie rechnet damit, dass sie für das neue Entwässerungssystem zwischen 15.000 und 20.000 Euro zahlen muss. „Das ist schon ‘ne Hausnummer.“

Auf einen Betrag in dieser Größenordnung kommt eine Beispielrechnung, die auf der Veranstaltung vorgestellt wurde. Der endgültige Betrag hängt für den Einzelnen aber unter anderem davon ab, wie groß sein Grundstück ist, wie lang das Rohr ist, das dort verlegt werden muss, und auch, wo er wohnt: Denn der westliche Teil soll ein Druckentwässerungssystem bekommen, bei dem jedes Haus eine eigene Pumpe haben muss. Im östlichen Teil soll eine Freigefälleleitung gebaut werden.

Die Kritik der Eigentümer: Die Variante für den westlichen Teil ist die einzige, bei dem der private Anteil höher ist. Für alle anderen Varianten hätten sie rund ein Drittel weniger zahlen müssen, doch diese seien laut Stadt und WSW nicht durchführbar. Auf das mehrfach gefragte „Warum?“ bekamen die Anwohner keine Antwort, die sie zufriedenstellte: Ein „nicht genehmigt“ reichte ihnen nicht aus.

Bei der Druckentwässerung sind die öffentlichen Kosten wesentlich niedriger, sodass diese Variante insgesamt deutlich am günstigsten ist. Es sei aber rechtlich nicht möglich, die zusätzlichen privaten Kosten auf die öffentlichen Kosten aufzuschlagen, die damit immer noch geringer wären als die nächstteurere Möglichkeit.

Laut einigen Anwohnern hätten die Verantwortlichen allerdings vergessen, eine „offensichtliche“ Variante auf Machbarkeit und Kosten zu überprüfen. Und dass die Abwassergebühren sinken werden und laut einer Beispielrechnung um die 230 Euro im Jahr gespart werden können, tröstet sie auch nicht wirklich: Damit wären die Kosten, die jetzt auf sie zukommen, in rund 65 Jahren ausgeglichen.

Aber nicht nur finanziell kommen auf die Anwohner Belastungen zu. Für die Baumaßnahmen muss die stark genutzte Straße voraussichtlich vier Monate, von April bis Juli 2016, gesperrt werden. Immerhin: Auf Bitte der Bezirksvertretung wird alles in einem Zuge gebaut, und nicht wie ursprünglich geplant in zwei Teilen. Aber auch wenn die Anwohner alle Baumaßnahmen und Kosten hinter sich haben, ist trotzdem noch nicht alles fertig. Denn offiziell ist das keine „hergestellte Straße“, irgendwann werden deshalb noch Erschließungsbeiträge erhoben. Nur wie hoch diese ausfallen und wann sie erhoben werden, das könne noch niemand so genau sagen.

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