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Wuppertal: "Historischer Nachmittag": Auf den Spuren der Reformierten

Wuppertal : "Historischer Nachmittag": Auf den Spuren der Reformierten

Günter Twardella und Jochen Denker zeigten auf, wie sehr die Vergangenheit der Gemeinde heute noch in Ronsdorf eine Rolle spielt.

Ronsdorf. „Welche Werte christlichen Glaubens aus der Gründungszeit der reformierten Gemeinde Ronsdorf sind bis heute erhalten geblieben?“ — mit dieser Frage beschäftigten sich Pastor Günter Twardella und Gemeindepfarrer Jochen Denker von der reformierten Kirchengemeinde Ronsdorf am Sonntag in zwei Vorträgen. Der „historische Nachmittag“ findet mittlerweile seit 40 Jahren statt — dieses spannende Thema sollte speziell aus Anlass des 275-jährigen Gemeindebestehens aufgegriffen werden.

Twardella thematisierte in seinem Vortrag vor allem die Anfänge der Kirchengemeinde. „Es ist ein schwieriges Thema — denn wer will schon beurteilen, welche Werte noch geblieben sind?“, sagte der Pastor gleich zu Beginn. Twardella, der scheidende Leiter des historischen Arbeitskreises der Gemeinde, stellte daher seine persönliche Sicht dar. Seine Hauptthese lautet: „Die Bibel ist die begründende Mitte und die bleibende Orientierungsgrundlage für das Leben in der reformierten Gemeinde Ronsdorf.“ Die Bibel habe nicht immer und überall die gleiche Bedeutung und Auswirkung. Das Kirchengebäude fördere allein schon das biblische Denken. Zum Beispiel die obere und untere Kanzel sowie ein Abendmahltisch, die sich in der Sichtmitte der Kirche befinden - „ohne einen zum theatralischen Einzug verlockenden Mittelgang“, wie Twardella sagte. Allgemein sei der ursprüngliche Zustand des Gebäudes erhalten geblieben.

Bis in die heutige Zeit spiele auch die Bibel eine Rolle — und das in verschiedenen Formen. In den Gründungsjahren wurden besonders die Schriften des Alten Testaments beachtet — so sei es auch heute noch zu beobachten, dass den Kindern aus Ronsdorf gerne Namen aus dem Alten Testament gegeben werden. Eine lange Tradition habe auch das Singen biblischer Texte.

Das Zusammenkommen hat in der Kirchengemeinde eine lange Tradition, wie der Pastor betonte. Er lobte die Bereitschaft der Gemeindemitglieder, sich ehrenamtlich zu engagieren. Twardella sieht es als Kennzeichen der reformierten Kirchengemeinde, dass sie immer bedingungslos zusammenhält. Ein wichtiger Punkt sei dabei auch der Austausch über brisante Themen. Gemeindemitglied Uwe Frickenhaus konnte das bestätigen. „Die Gemeinde ist wie eine Familie. Der Zusammenhalt ist mir sehr wichtig“, so Frickenhaus. Frickenhaus engagiert sich ehrenamtlich im Hausmeisterteam.

Die Offenheit der Gemeinde hingegen sei nach Aussage von Twardella stärker geworden. Das zeige sich zum Beispiel darin, dass sie mehrfach Kirchenasyl geboten habe. Der gekreuzigte und auferweckte Jesus Christus sei nach wie vor das zentrale Bekenntnis der Gemeinde. „Die Werte christlichen Glaubens, wie sie hier als Ausdeutungen biblischer Texte beschrieben wurden, sind in der Ronsdorfer reformierten Gemeinde erhalten geblieben“, ist das Fazit des Pastors.

Pfarrer Jochen Denker beschäftigte sich in seinem Vortrag besonders mit einigen „Gründungsmythen“ beziehungsweise „Urgeschichten“ der Gemeinde, die bis heute Bedeutung haben. Zum einen sei die Exodusgeschichte, der Auszug aus Ägypten, der wichtigste Gründungsmythos. „Sie gehört zum Erbe unserer Gemeinde“, so Denker. Weiter sei es die Gemeinschaft des aufgestandenen Gekreuzigten Jesus Christus und die Verfolgung der Hugenotten, die zur Urgeschichte gehörten. Als „Erfolgsstory“ bezeichnete Denker den Auszug der Gemeinde aus Elberfeld. Denker betonte besonders die starke Prägung der Gemeinde durch die Presbyterien, die immer auf die christlichen Werte geachtet haben. Zum Abschluss des Nachmittags wurde Günter Twardella als Leiter des historischen Arbeitskreises verabschiedet. „Die ungarischen Reformationslieder“ auf CD waren für ihn und seine Frau ein Abschiedsgeschenk der Gemeinde. „Das erinnert uns an den Aufenthalt in Rumänien, als wir ungarisch-sprachige Reformierte kennenlernten“, sagt Twardella schmunzelnd.