Wuppertal: Frischer Saft aus eigenen Äpfeln

Wuppertal: Frischer Saft aus eigenen Äpfeln

Harald Auer presst eigene und mitgebrachte Früchte in seiner eigenen Manufaktur.

Ronsdorf. Verschieferte Häuser, eine große Schule, viel Grün in der Umgebung. Aber das Geräusch, das auf dieser Ecke der Straße „An der Blutfinke“ die Luft erfüllt, ist ungewöhnlich. Eine Mischung aus Quietschen, Scheppern und Rasseln. Kommt man dem Geräusch näher, fällt der Blick auf einen großen Tisch, gefüllt mit grünen Flaschen. Dahinter Säckeweise Äpfel und ein paar Kisten Quitten. Unter einem Vordach steht die Quelle des ungewöhnlichen Geräuschs: Ein historischer Obsthäcksler.

In den Trichter oben kippt Harald Auer eine Kiste Äpfel, die unten kleingehackt herausfallen. Vor gut 10 Jahren ist er auf den Apfel gekommen. Ein Besuch im mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber brachte den Ronsdorfer auf die Idee. „Meine Frau war ganz begeistert von einem Stand, der vor Ort frisch gepressten Apfelsaft verkaufte. Auf dem Rückweg dachte ich: ‚Das kann ich doch auch selbst.“

Nach und nach kaufte er sich das Zubehör. Der Häcksler aus dem Internet stammt vermutlich aus dem Jahre 1925, die handbetriebenen Pressen, in denen dann die Apfelstücke zerquetscht werden, sind noch nicht ganz so alt - und dienen auch eher dem Vorführeffekt.

„Den ganzen Tag an dieser Presse Apfelsaft herzustellen ist auf Dauer dann doch zu anstrengend.“, sagt Auer mit einem Schmunzeln. Aber es sei ein guter Ersatz für ein Fitnessstudio. Gemeinsam mit seinem Sohn und dessen Freunden steht Auer an diesem Nachmittag in seiner „Ronsdorfer Apfelsaftmanufaktur“. Kunden bringen Obst, das Auer für sie presst und anschließend in die mitgebrachten Flaschen füllt.

Vorher wird der Saft noch pasteurisiert - die Maschine dafür ist die neueste Anschaffung der Manufaktur. „Durch das kurze Erhitzen auf etwa 80 Grad Celsius wird der Saft haltbar gemacht.“ Ist der frische Saft etwa vier Tage haltbar, verlängert sich diese durch das Pasteurisieren deutlich. „Ich hatte schon Saft, der vermutlich Jahre lagerte und immer noch genießbar war.“ Ohne das Pasteurisieren beginnt er zu gären. Ein Prozess, den der ehemalige Vermessungstechniker auch bewusst herbeiführt: In einem kleinen Lagerraum stehen Gärkolben, in denen aus Apfelsaft Apfelwein wird. „Inzwischen dürfen wir Bauern unseren selbst hergestellten Wein auch ganz offiziell zu bestimmen Zeiten im Jahr verkaufen.“

Denn Auer verarbeitet nicht nur Äpfel oder Quitten, die im Kunden vorbeibringen - auch die Früchte seiner eigenen Wiese in Remscheid bringt er als Saft an den Mann. Dabei verzichtet er bewusst auf die Sorten, die alle aus dem Supermarkt kennen. Er hat sich auf „historische“ Sorten Spezialisiert. „Öhringer Blutstreifling“ oder „Heuchelheimer Schneeapfel“ sind nur zwei der 150 Apfelsorten.“

Auch, wenn kein sichtbares Biosiegel den Hof schmückt - dass hier Wert auf Natürlichkeit gelegt wird, spürt man vor Ort. Gerade die modernde Apfelzüchtung, die laut Auer hauptsächlich Wert auf schnelle Reifung legt, ist dem Hobbyzüchter ein Graus. „Insbesondere Allergiker kommen gerne vorbei, die auf die modernen Sorten reagieren. Die alten Sorten wie Spartan sind da deutlich verträglicher.“

Jedem Neukunden rät Auer, selbst Glasflaschen mitzubringen - oder die Flaschen, in denen er den Saft verkauft, wieder mitzubringen. Wütend machen ihn Biostationen, die frisch gepressten Apfelsaft in Plastikflaschen und -schläuche abfüllen. „Das hat mit Nachhaltigkeit nichts zu tun.“ Umso leckerer ist der Saft, denn jeder direkt vor Ort für 1,50 das Glas probieren kann.

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