Einblicke in der Wassserwoche: Zu Besuch im Bauch der Talsperre

Einblicke in der Wassserwoche: Zu Besuch im Bauch der Talsperre

In der „Wasserwoche“ gab es auch einen Blick ins Innere der Staumauer.

Ronsdorf. Der Blick vom Fuß der Staumauer nach oben zeigt eine mächtige, massige Wand mit ein wenig blauem Frühlingshimmel darüber. 24 Menschen legen den Kopf in den Nacken. In der Veranstaltungsreihe „Wasserwoche“ sind sie der Einladung des Wupperverbandes zur Ronsdorfer Talsperre gefolgt. Für das Auge steht die Mauer felsenfest — feinste Sensoren aber sehen schärfer. Talsperrenmeister Dirk Garn: „Fünf bis zehn Millimeter bewegt sich die Mauer hin und her. Je nach Temperatur, Wind und Wasserdruck.“

Foto: Fries, Stefan (fr)

Unter Garns Führung gibt es eine Menge zu erkunden. Zum Beispiel verbirgt sich unter den Bruchsteinen einer der ältesten Talsperren Deutschlands modernste Technik. Garn schließt ein Stahltor auf, und die 24 Entdecker folgen ihm in das Innere der Staumauer. Ein Gang voller Messgeräte und Steueraggregate führt zu einem Schacht, der senkrecht in die Höhe steigt.

„Die Rohre unter dem Gitterrost zu ihren Füßen“, sagt Garn, „sind der untere Abfluss der Talsperre. Hier wird auch die Turbine betrieben, mit der wir einen Teil unseres Strombedarfs decken.“ Die Geräte übertragen die Daten zum Wupperverband. So hat man jederzeit die Hand am Puls, kann die Anlage sogar fernsteuern, erklärt der Talsperrenmeister.

Als die Gruppe über die Mauerkrone wanderte, hatte Garn die Talsperre mit einer Badewanne verglichen. Mit einem Ablauf unten und einem Überlauf oben, wenn der Regen des Bergischen Landes einmal zu viel des Guten bringt.

Sogar Whirlpool könnte man zum Stausee sagen. Melden die Sensoren an den Bojen zu wenig Sauerstoff im Wasser, schaltet sich die Belüftung ein — was unter anderem den Edelkrebsen zugute kommt, die hier leben.

Im Saalbachtal erlebt man Natur und Stadtgeschichte. Heutzutage ist die Talsperre ein geschütztes Denkmal und ein gepflegtes Biotop, das zurecht Spaziergänger anlockt. Als sie 1899 fertig war, nutzte die damals selbstständige Stadt Ronsdorf sie, um Trinkwasser zu gewinnen. Bis in die 1950er Jahre ging das so weiter.

„Toll“, findet Markus Schwarz die Führung. „Vor allem, dass man mal in die Mauer reinkommt.“ Judith Becker zeigt auf ihre Tochter: „Das ist mal für Josefine interessant.“ Auch das Ehepaar Annegret und Wolfgang Rondorf lobt: „Hervorragend. Ganz so, wie wir uns das gedacht haben.“ Und sie sagt: „Wasser ist spannend. Ohne Wasser geht nichts.“ Und wer dem Saalbach ins Gelpetal folgt, wo sich die Wasserräder über Jahrhunderte für Hämmer und Schleifkotten drehten, bekommt auf den Schautafeln noch mehr Wassergeschichten erzählt.

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