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Der Bergische Chor ist auf Abschiedstour

Der Bergische Chor ist auf Abschiedstour

Krankheits- und Altersgründe sind schuld: Am 20. September treten die Sänger ein letztes Mal auf.

Ronsdorf. „Beim letzten Ständchen-Auftritt war das schon ein komisches Gefühl.” Obwohl der amtierende Geschäftsführer Jürgen Eck erst seit zwei Jahren Sänger im Bergischen Männerchor Ronsdorf ist, geht es ihm sichtlich nah, wenn man ihn auf die bevorstehende Auflösung des Chores anspricht. „Das große Schlucken kommt aber noch“, vermutet Eck. Wahrscheinlich wird das am frühen Abend des 20. September sein, wenn das offizielle Abschiedskonzert der Sänger in der Ronsdorfer Lutherkirche mit dem Lied “Klinge Lied, lange nach” zu Ende geht.

Den Weg in den Ronsdorfer Chor fand er über dessen Leiter Eugen Momot. „Damals waren es noch 46 Sänger. Ich habe gehofft, hier noch lange singen zu können“, erzählt Eck. Dass es jetzt anders kommt, liegt aus seiner Sicht auch ein wenig an der Geschichte des Chores.

Gegründet wurde dieser im Jahr 1951 als Werks-Chor der Ronsdorfer Firma Grote & Hartmann, nachdem zunächst einige Sänger lediglich die Betriebsfeste musikalisch bereichern wollten. Mit der Verpflichtung von Emil Risse als Chorleiter einige Jahre später steigerten sich die qualitativen Ansprüche.

Aber erst spät erhielten die Sänger von ihren Chefs die Erlaubnis, außerhalb der Firmenveranstaltungen aufzutreten.

Wie die Chronik berichtet, fand das erste öffentliche Konzert deshalb erst am 25. Mai 1963 im heute nicht mehr existierenden Ronsdorfer Dürselenhaus statt. Auf Chorreisen bildeten sich Freundschaften mit anderen Chören von Kärnten bis Berlin und Hamburg. 1976 führte eine dieser Reisen sogar nach Kanada.

Mit dem Chorleiter Stefan Lex erlebte der Chor einen weiteren Aufschwung, der sich ab 2009 mit dem jetzigen Chorleiter Eugen Momot fortsetzte. Der Verkauf des Unternehmens Grote & Hartmann an die amerikanische Lear Corporation im Jahr 2004 machte eine Umbenennung erforderlich. Seitdem heißt der Chor Bergischer Männerchor Ronsdorf. Nachdem Lear 2007 seinerseits von einem amerikanischen Investor übernommen worden war, endete die werksseitige Unterstützung der Sänger.

Sie mussten nun alle Kosten für Noten, Chorleiter und Konzerte selbst oder mit Hilfe von Sponsoren und Fördermitgliedern stemmen — ein schwieriges Unterfangen, wenn die Zahl der aktiven Sänger immer weniger wird. „In jüngster Zeit haben sich einige aus Krankheits- oder Altersgründen verabschiedet. Gleich fünf sind in kurzer Zeit nach Süddeutschland gezogen. Jetzt sind wir noch 32 Sänger und ich bin mit 64 der Drittjüngste”, erklärt Jürgen Eck die Personalentwicklung. Den nach einer zwischenzeitlichen Krise wieder sehr guten Zusammenhalt möchte der Chor noch einmal bei seinem Abschiedskonzert unter Beweis stellen. „Dafür haben wir bis auf das letzte, neue Lied ,Klinge, Lied, lange nach’ Stücke ausgewählt, die der Chor über die Jahre gern gesungen hat”, lädt Eck zum Besuch des Konzertes ein.