Theaterprojekt: Das Wupper Theater vereint viele Sprachen

Theaterprojekt : Das Wupper Theater vereint viele Sprachen

Die Schauspielerinnen Marcia Golgowsky und Lilay Huser gastierten mit ihrem Projekt an der Gemeinschaftsgrundschule an der Ferdinand-Lassalle-Straße.

. Am Mittwoch machte in der Gemeinschaftsgrundschule Ferdinand-Lassalle-Straße ein Wolf Jagd auf kleine Geißlein und Lämmchen. Der schlaue Wolf schafft es, die Kinder zu überlisten und schließlich zu fressen. Die Eltern der Geißlein und Lämmchen müssen nun zusammenarbeiten, um die Kinder wieder aus dem Bauch des Wolfes zu befreien. Das Problem: sie sprechen nicht die gleiche Sprache.

Diese spezielle Version des Kindermärchens „Der Wolf und die sieben Geißlein“ wurde im Rahmen eines Theaterworkshops von Kindergartenkindern und Grundschülern aus Ronsdorf aufgeführt. Das mehrsprachige Stück „Der schlaue Wolf“ basiert dabei nicht nur auf dem bekannten deutschsprachigen Märchen, sondern auch auf der ähnlichen türkischen Kindergeschichte „Ayse Fatma Kuzular“. Veranstaltet wurde der dreitägige Workshop vom Wupper Theater in Kooperation mit dem Kommunalen Integrationszentrum. Seit 2015 gibt es das Projekt schon. Seitdem wird immer wieder das gleiche Stück mit verschiedenen Klassen und Kindergartengruppen geprobt und aufgeführt. „Wir konzentrieren uns für jeden Workshop auf ein einzelnes Stadtviertel und üben das Stück dann mit Kindergartenkindern und Grundschülern aus dem Viertel ein“, sagt Schauspielerin Marcia Golgowsky, die den Workshop gemeinsam mit Lilay Huser durchführt. Normalerweise führen Kinder aus zwei Kitas und einer Grundschule das Stück getrennt auf, diesmal hatten sich die Schule und die teilnehmenden Kitas allerdings gewünscht, dass die Gruppen gemischt werden. „Das stärkt natürlich nochmal die Vernetzung zwischen den Einrichtungen und den Gruppen“, sagt Marcia Golgowsky.

Die Kinder sollen stolz auf ihre Sprachkenntnisse sein

Die Sprachen, die bei dem mehrsprachigen Stück auf der Bühne gesprochen werden, stehen nicht von vornherein fest. „Wir wollen die Sprachen miteinbringen, die von den Kindern zuhause gesprochen werden“, sagt Marcia Golgowsky. Diesmal waren es mit fünf verschiedenen Sprachen allerdings so viele wie noch nie. Die Geißlein sprachen Deutsch und die Lämmchen gleich vier verschiedene Sprachen, nämlich Türkisch, Arabisch, Englisch und Polnisch. Der Vorteil des schlauen Wolfs ist es, dass er immer alle Sprachen sprechen kann. „Es ist wichtig, dass die Kinder stolz auf ihre Sprachkenntnisse sind, auch wenn sie ihre Muttersprache in der Schule sonst nicht sprechen“, findet Marcia Golgowsky. So sollen die Kinder selbstbewusst im Umgang mit ihrer Sprache werden. Dafür helfen sie auch selbst beim Übersetzen der Texte für das Stück mit.

Das Projekt kommt bei den Bildungseinrichtungen in der Stadt sehr gut an. „Von vielen Schulen, an denen wir waren, wurden wir gefragt, ob wir den Workshop noch ein zweites Mal machen können“, erzählt Marcia Golgowsky. Seit sich das Projekt in der Stadt herumgesprochen hat, fragten auch viele Kindergärten und Schulen beim Wupper Theater und beim Kommunalen Integrationszentrum an. „Wir gehen aber auch aktiv auf Schulen und Kitas zu“, sagt Marcia Golgowsky.

Das Stück, dass die Kinder spielen, wurde nicht speziell für die kleinen Schauspieler geschrieben. „Schon in den 1990er Jahren haben wir das Stück im Wupper Theater für Kinder aufgeführt, und jetzt spielen wir es auch seit 2015 wieder“, sagt Schauspielerin Lilay Huser und fügt hinzu: „Das Stück bleibt immer aktuell.“ Aber besonders im Moment habe das Projekt nochmal eine besondere Relevanz, findet Marcia Golgowsky. „Viele Kinder aus Flüchtlingsfamilien kommen zurzeit in die Kindergärten und Schulen, und viele von ihnen sprechen nur wenig Deutsch. Dass sie aber ihre Muttersprache auf der Bühne präsentieren können, gibt den Kindern unglaublich viel Selbstvertrauen.“

Neben der Stärkung der sozialen Kompetenzen zeigen die Kinder auch viel Talent auf der Theaterbühne. „Wir sind immer wieder begeistert, wie die Kinder es mit nur zwei Vormittagen Probe schaffen, das Stück so toll aufzuführen“, sagt Marcia Golgowsky.

Und am Ende des Stückes gibt es wie in jedem Märchen ein Happy End: die Eltern Geißlein und Lämmchen schaffen es, ihre Kinder zu befreien. Mit ein bisschen Hilfe des Publikums, aber auch, indem es ihnen gelingt, ihre Sprachbarrieren zu überwinden.