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33 Fahrer brausen mit dem Bürgerbus durch Ronsdorf

33 Fahrer brausen mit dem Bürgerbus durch Ronsdorf

Edeltraud Evels und ihre Kollegen sorgen dafür, dass auch Randbezirke erreicht werden.

Ronsdorf. Während der Kleinbus in die Reinshagen-Siedlung einbiegt, schaut die Seniorin nach draußen, auf die denkmalgeschützten Bauten. „Als die Leute hier eingezogen sind, waren sie alle jung.“ Doch das sei Jahrzehnte her. Jetzt, im Alter, bringe die eigentlich schöne Lage etwas ab vom Schuss doch einige Nachteile für die Bewohner. Das sagt sie, um dann gleich hinterher zu schieben: „Dafür haben wir ja zum Glück den Bürgerbus.“

Edeltraud Evels, die am Steuer sitzt, hört das immer wieder. Seit das Projekt „Bürgerbus“ in Ronsdorf buchstäblich Fahrt aufgenommen hat, sind auch die Außenbezirke der Außenbezirke, die die Linienbusse der WSW nicht ansteuern, an den ÖPNV angeschlossen. Gerade für die älteren Ronsdorfer eine enorme Erleichterung. Der Weg zum Café in die City, zum Arzt oder zum Friedhof muss nicht mehr tagelang vorher geplant werden, damit etwa Angehörige als Chauffeur einspringen. „Auch zum Sightseeing eignet sich der Bürgerbus super“, sagt Evels. Schon öfter hätten Großeltern ihren Enkeln den Stadtteil gezeigt. „Man lernt einfach Ecken kennen, die man vorher nicht kannte.“

Kurz bevor der Bus die Haltestelle Hordenbachstraße erreicht, meldet sich die Seniorin. „Ich muss jetzt raus. Da wartet schon mein Mann.“ Am nächsten Tag wird sie wieder an dieser Stelle einsteigen. Wie so viele Fahrgäste ist sie ein Stammgast. „Man kennt sich mittlerweile“, sagt Evels. „Der Bürgerbus ist längst akzeptiert.“ Leerfahrten seien die große Ausnahme. Größer sei da schon die Gefahr, dass zu viele Passagiere mitfahren möchten. „Es ist aber nur zwei oder drei Mal vorgekommen, dass wir jemanden an der Haltestelle stehen lassen mussten.“

Gerade sitzen noch zwei Männer im Bus. „Ich bin darauf angewiesen, nehme ihn zur Arbeit“, sagt der eine. Dann fügt er lachend hinzu. „Wenn ich Auto fahre, werde ich zu aggressiv.“ Nun vertraut er also jeden Morgen auf Evels und ihre Kollegen am Steuer — und verteilt ein dickes Lob. „Der Bürgerbus kommt praktisch immer pünktlich.“ Ausfälle seien selten, worauf auch Evels stolz verweist. Und wenn, dann springen auch mal die Ronsdorfer ein. „Als wir mal eine Reifenpanne auf dem Heidt hatten, hat uns eine Firma vor Ort geholfen.“ Ansonsten kommen andere Fahrer und bringen die Fahrgäste ans Ziel. Auf freier Strecke, nein, da werde niemand stehen gelassen.

Apropos Ausfälle: Als Evels auf dem Parkplatz bei WASI an der Linde einen roten Kleinwagen sieht, muss sie lächeln. „Die Fahrerin musste den heute morgen da stehen lassen, weil der nicht mehr ansprang. Aber da kam grad der Bürgerbus vorbei und sie ist mit uns gefahren.“

Evels fährt zweimal pro Monat den Bürgerbus durch Ronsdorf. Im Gegensatz zu vielen anderen der 33 Fahrer arbeitet die 51-Jährige noch. „Vor fünf Jahren bin ich dann dem Bürgerbus-Verein beigetreten. Ich wollte mal was Ausgefallenes machen“, erinnert sich die Fußpflegerin. Für sie hat der ehrenamtliche Zusatzjob wenig mit Stress zu tun. „Schauen Sie sich doch einmal die Landschaft an. Am Rädchen etwa oder auf dem Heidt, das ist noch Natur. Kühe auf der Wiese, Löwenzahn, Idylle pur.“