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Zooviertel: „Grüne Oase“ soll Häusern weichen

Zooviertel: „Grüne Oase“ soll Häusern weichen

Die geplante Bebauung an der Hindenburgstraße stößt auf viel Kritik. Anwohner haben Alternative erdacht.

Elberfeld. Fünf Häuser mit 26 Wohnungen in Toplage, im Zooviertel, mit eigenem Spielplatz und als Sahnehäubchen einem eigenen Zugang zur Sambatrasse: Für Investor Wolf Neudahm von Pro Objekt dürfte es nicht schwierig werden, Interessenten für die geplanten Neubauten zu finden. Doch das Projekt sorgt seit Bekanntwerden im Stadtteil für heftige Diskussionen. Auch bei der Offenlegung der Pläne habe es zahlreiche Einwendungen, gerade von Anwohnern, gegeben, wie Marc Walter, Abteilungsleiter im Ressort Bauen und Wohnen der Stadt, einräumt. Dazu gibt es ein Gutachten des Tüv Nord, das aufgrund des fehlenden Achtungsabstandes von einer Bebauung abrät (siehe Infokasten).

Kritik übt unter anderem auch die Interessengemeinschaft „Grüne Oase“ um Hubertus und Gabriele Gees. Denn auf dem Gelände, das bebaut werden soll, liegen unter anderem noch Kleingärten und viel Grün. Einer der Gärten ist seit mehreren Jahren zur zweiten Heimat für Jugendliche „mit eher schwierigem Hintergrund“ geworden, wie das Ehepaar betont.

Eigentlich sollte damals nur eine baufällige Laube renoviert werden. Doch die Jugendlichen, die zum Teil auch aus Sonnborn und Vohwinkel kommen, fanden so einen Treffpunkt, den es vorher so nicht gab. „Draußen zu sein, ist einfach etwas anderes für die Jugendlichen“, erklärt das Ehepaar. Dass es am Anfang ein bisschen Ärger wegen des Lärms mit Nachbarn gab, ist längst vergessen. Gabriele Gees, die bei der Stadt als Sozialarbeiterin angestellt ist, spricht von einem Miteinander von Alt und Jung und zeigt in einer Mappe Fotos von gemeinsamen Feiern in der „Grünen Oase“. Mit dem Bauprojekt käme das Aus für das Soziale Engagement, betonen die Gees’, die nach eigenen Angaben für etwa 60 bis 80 Anwohner sprechen. Im vergangenen Jahr wurden auch noch mehr als 200 Unterschriften gegen die Wohnhäuser gesammelt.

Die Interessengemeinschaft hat ein Alternativprojekt entwickelt. „Auf dem Gelände soll eine parkähnliche Grünfläche für alle Stadtteilbewohner und Gäste entstehen“, heißt es in dem Konzept, dass am kommenden Mittwoch auch in der Bezirksvertretung vorgestellt wird. Als Anziehungspunkte sind unter anderem ein Niedrigseilgarten, eine Streuobstwiese, ein Meditationsgarten und ein Café mit einem Multifunktionsraum geplant — letzteres im nicht mehr genutzten Gemeindehaus, das ebenfalls an Pro Objekt verkauft werden soll. Der neue Stadtteiltreff wäre auch für Besucher auf der Sambatrasse interessant.

Die Finanzierung soll über ehrenamtliche Arbeit, Sponsoren, Stiftungen und Fördermittel gelingen, hofft das Ehepaar Gees, das als Vorbild unter anderem das ehemalige Cafe Heckmeck (jetzt Cafe Johannis) nennt. Die Grüne Oase könnte, so die Initiatoren, ein Pilotprojekt sein und seine Fortsetzung in anderen Stadtteilen finden — wenn denn nicht gebaut wird.

Doch dagegen sprächen neben den Achtungsabständen auch verschiedene andere Faktoren, sagt Hubertus Gees. Etwa die Lärmbelästigung durch den zunehmenden Verkehr und die Belastungen für Flora und Fauna. Gees zweifelt dabei auch an den Ergebnissen der diesbezüglichen Gutachten, die sich, wie Marc Walter betont, nicht gegen eine Bebauung aussprechen würden. „Es wird zwar lauter, aber die Richtwerte werden eingehalten. Und geschützte Tierarten gibt es in dem Bereich nicht.“

Dass Anwohner bereits angekündigt haben, aufgrund der Achtungsabstände zu klagen, nimmt Walter zur Kenntnis. Für eine Bebauung sprächen aus Sicht der Verwaltung mehr Gründe als dagegen. „Sonst könnte man nur noch auf der grünen Wiese bauen.“

Entscheiden muss die Politik, letztendlich der Rat der Stadt. Investor Wolf Neudahm kann die Kritik von Anwohnern teilweise nachvollziehen, weist aber darauf hin: „Eigentümer können ihr Grundstück so verwerten, wie es gesetzlich möglich ist.“ Die Gemeinde und die Stadt wollten eben verkaufen (siehe Infokasten). Die Bebauung werde „eine tolle Sache“, ist Neudahm überzeugt.