Manege frei: Zirkusluft schnuppern in der Eschenbeek

Manege frei : Zirkusluft schnuppern in der Eschenbeek

Das Ferienprojekt von Stadt und Casselly begeistert auch in ungewohnter Umgebung die Kinder.

Uellendahl. Jan und Thilo beobachten genau, was die anderen Jungs machen. Ein Salto soll es auch bei ihnen werden. Kurz Anlauf genommen, dann springt Jan schon aufs Trampolin. Thilo macht es ihm nach und freut sich schon auf die nächste Herausforderung. „Es wird eine Flugrolle.“ Die beiden Elfjährigen gehören zu den insgesamt gut 450 Kindern zwischen sechs und 14 Jahren, die am Kinderferienzirkus Casselly teilnehmen.

Seit 28 Jahren gibt es das heiß begehrte Angebot der Stadt. „Die Plätze sind immer schnell weg“, erzählen Viola Wessler, Fachbereichsleiterin Jugend und Freizeit, und Projektleiterin Verena Glöß. Auch dieses Jahr habe es wieder lange Schlangen vor dem Haus der Jugend gegeben, als die Anmeldungen anstanden. „Über Generationen“, so Wessler, gehöre der Zirkus zu den Sommerferien. „Von vielen Kindern, die heute dabei sind, haben früher schon die Eltern mitgemacht.“

Dabei gab es in diesem Jahr eine Neuerung. Da der Carnaper Platz aufgrund der angekündigen Umbauarbeiten nicht zur Verfügung stand, musste der Zirkus Casselly diesmal in der Eschenbeek auf dem alten Sportplatz seine Zelte aufschlagen. „Wir fühlen uns auch hier wohl“, sagt Antonio Casselly, der aber auch betont, dass es wohl eine einmalige Sache bleiben wird. Im nächsten Jahr, davon geht man bei der Stadt aus, geht es wieder auf den Carnaper Platz. Denn so schön es in der Eschenbeek ist, umgeben von Grün: Die Infrastruktur, was Strom, Wasser oder auch die Parkplatzsituation angeht, sei in Barmen besser, sind sich die Verantwortlichen einig. „Dieser grüne Platz hier auf dem Carnaper - das wäre perfekt“, sagt Glöß, die seit der Premiere, seit vier Jahren als Projektleiterin dabei ist.

Wer über das Areal geht, merkt aber schnell: Die Kinder haben überall ihren Spaß, wenn die Cassellys dabei sind. Mehrere Tage lang wird geprobt für die große Gala, zu der dann auch die Eltern eingeladen werden. Und so eine Aufführung fängt natürlich mit der richtigen Begrüßung an. In mehreren Sprachen lässt Antonio die (noch fiktiven) Zuschauer willkommen heißen. Arabisch ist dabei, Russisch und sogar Finnisch. Ein schöner Zufall, fand MdB Helge Lindh (SPD), der selbst auch die finnische Staatsbürgerschaft besitzt und gemeinsam mit Bezirksbürgermeisterin Gabriela Ebert den Zirkus in dieser Woche besuchte. „Die Finnen sind ja in Wuppertal eher unterrepräsentiert“, schmunzelte Lindh.

Immer wieder beeindruckend ist, wie schnell sich bei den Kindern Lernerfolge einstellen, etwa bei der Jonglage oder bei artistischen Einlagen, was Antonio Casselly ausdrücklich hervorhebt. „Und für jeden ist hier etwas dabei.“

Ebert und Lindh loben die Stadt und die Cassellys ausdrücklich für das Angebot. Die Wertschätzung fehle oft in der Öffentlichkeit. „Das ist toll, was die leisten“, betonen die beiden. Auch vor dem Hintergrund der Inklusion. Mehrere Plätze werden für Kinder mit Handicap reserviert. „Und multi-kulti ist es auch“, sagt Lindh. „Wuppertal ist hier durch die Kinder vertreten“, erläutert Viola Wessler. „Es ist eine gute Mischung hier.“

Wenig Verständnis haben alle Beteiligten übrigens für einige Beschwerden aus der Nachbarschaft. Anwohner hatten über Lärm durch den Zirkus geklagt. Dass es natürlich nicht mehr ganz so ruhig ist, wie sonst, sei nicht zu leugnen. Aber es gehe nur um drei Wochen. „Und es sind auch nur ein paar Stunden pro Tag“, kann Gabriela Ebert den Ärger nicht nachvollziehen.