Was wird aus dem Heizkraftwerk?

Die Anlage der Stadtwerke in Elberfeld macht Platz für eine neue Nutzung. Die Altlasten und der Rückbau sind allerdings Fragezeichen.

Arrenberg. Seit dem Jahr 1900 ist das von Kabelstraße und Simonsstraße eingegrenzte Areal am Arrenberg ein Kraftwerkstandort. Ein Kapitel Industrialisierungsgeschichte soll spätestens 2019 zu Ende gehen. Die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) bieten das Gelände jetzt zum Verkauf an (die WZ berichtete). Und dann? Am naheliegendsten ist Bayer — wortwörtlich. Der westliche Nachbar, gerade auf Expansionskurs, hat offenbar ein Auge auf das rund 16 800 Quadratmeter große Grundstück mit dem riesigen Schornstein geworfen. Martin Lietz von der Wuppertaler Wirtschaftsförderung bestätigt: „Es haben Gespräche stattgefunden.“

Für Gewerbeunternehmen bietet die Immobilie viel. Unter anderem eine große Industriehalle und einen 60-Tonnen-Kran, den der Nachfolger einfach übernehmen könnte. Der Haken des Immobilien-Geschäftes könnte im Boden schlummern. Welche Altlasten sich im Laufe der Jahrzehnte angehäuft haben, ist noch unklar. Wie Kraftwerksleiter Volker Leonhard sagt, stehen größere Bodenproben noch aus. „Konkret ist bislang nichts bekannt“, sagt er.

Nach WZ-Informationen sind genau an der Frage, wer mögliche Altlasten entfernt und den Rückbau der Gebäude bezahlt, bislang die Verhandlungen zwischen WSW und Bayer gescheitert. Jörg Heynkes vom „Aufbruch am Arrenberg“ ist darüber wenig verwundert, dass unter den jetzigen Bedingungen noch niemand zugeschlagen hat. „Das ist aller Voraussicht nach ein völlig verseuchtes Gelände“, sagt der Inhaber der Villa Media. Man könne diskutieren, wie viele Millionen Euro die Entsorgung der Altlasen kosten würde. Allein der Abbau des markanten Schornsteins des Kraftwerks koste seines Wissens nach eine siebenstellige Summe. Daher glaubt er angesichts des Mindestgebots von 500 000 Euro: „Das Gelände hat eigentlich einen Negativwert.“ Wegen der komplizierten Lage hätten sich die Arrenberger bislang keine Gedanken über eine zukünftige Nutzung gemacht. Wenn jedoch irgendwann einmal alles abgerissen und entsorgt sein sollte, sei der Verein gerne dabei, Ideen zu entwickeln. „Ich könnte mir da zum Beispiel auch eine Wohnbebauung vorstellen.“

Ein paar Ideen hat auch Ingelore Ockel, Bezirksbürgermeisterin von Elberfeld—West. Sie fände es gar nicht so schade, wenn die Zeit der Maschinen am Kraftwerksgelände zu Ende gehen würde. „Schön ist die Ecke ja nicht“, sagt sie. Ihr sei sofort eine Eventnutzung — nach dem Vorbild Gaskessel in Heckinghausen — eingefallen. „Es wäre schön, wenn dort etwas Farbenfrohes hinkommt. Vielleicht auch ein Kindergarten. Der Bedarf ist da.“

Eine Eventnutzung fände zwar auch Marti Lietz von der Wirtschaftsförderung spannend, doch er verweist direkt auf die größte Hürde — die Finanzierung einmal ganz ausgeblendet: „Da kommt man blitzschnell zu einem Parkplatzproblem.“ Auch Heynkes, mit der Villa Media selbst erfahrener Eventmanager, sieht am Standort Probleme: „Die unmittelbare Wohnbebauung macht das schwierig, weil sie schnell 1000 Fahrzeuge haben die an- und abfahren.“

Auch eine Option: Vielleicht passiert erst einmal nichts. Laut Kraftwerksleiter Volker Leonhard sieht der Plan der WSW sowieso vor, das Kraftwerk in einen gesicherten Zustand zu versetzen. Nach der Entnahme aller umweltschädlichen Stoffe und einer Absicherung könnte das ehemalige Kraftwerk ohne weitere Wartung in einen Dornröschenschlaf fallen.

Noch beschäftigen die WSW am Standort 65 Personen. „Es soll keinem betriebsbedingt gekündigt werden“, sagt Leonhard. Die Strategie lautet Umverteilung und früheres Ausscheiden. Den Leiter betrübt, dass die Ära an der Simonsstraße zu Ende geht. Er sagt: „Im Kraftwerk ist es heiß, laut und dreckig. Wer hier arbeitet, mag das und ist ein bisschen bekloppt. Uns wird das fehlen.“

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