Viele Senioren nehmen Abschied vom Ölberg

Viele Senioren nehmen Abschied vom Ölberg

Altbauten und steile Straßen. Die Ölberg eG startet ein Pilotprojekt zum Wohnen und Leben in der Elberfelder Nordstadt.

Nordstadt. Die erste Forderung an einen seniorengerechten Ölberg würde wie eine Maßnahme aus dem Tuning-Handbuch klingen: Man müsste ihn tiefer legen. Schon damit ist klar, dass barrierefreies Wohnen in diesem Quartier ein frommer Wunsch bleiben muss.

Um zumindest ein barrierearmes Wohnen zu gewährleisten, müssten die alten, teils denkmalgeschützten Häuser mit großem Aufwand umgebaut werden. Zur Frage der Rentabilität solcher Maßnahmen hat die Ölberg eG, entstanden aus einem Hauseigentümernetzwerk, gemeinsam mit dem Bonner Forschungs- und Beratungsunternehmen Quaestio ein bundesweit einmaliges Pilotprojekt gestartet. Ziel ist es, über ein Indikatorensystem zu ermitteln, welche der 69 Wuppertaler Quartiere noch Entwicklungspotenzial besitzen und wo Investitionen bereits mit extrem hohen Risiken verbunden sind. Erste Ergebnisse wurden am Montag im Lutherstift vorgestellt.

Leerstände, Mietpreisentwicklungen, Anteil der SGB-II-Empfänger sowie der Fortzug von Kindern und Senioren dienten als Indikatoren. Dabei zeigte sich, dass die Nordstadt real leicht sinkende Mietpreise aufweist, dass sie über einen relativ hohen Kinder-Anteil verfügt und dass vergleichsweise viele Senioren das Quartier verlassen.

Hier sieht Quaestio günstige Möglichkeiten, durch attraktivere Gestaltung der Immobilien die ältere Generation stärker zu binden. Schließlich sei sie bei Vermietern wegen ihrer Zuverlässigkeit sehr wohl beliebt. Wichtig für den Ölberg und vergleichbare Quartiere sei, dass eine positive Stimmung gehalten werden könne. Wenn ein Immobilienbesitzer aus Furcht vor unrentablen Investitionen die Pflege seines Hauses vernachlässige, so sei das Nachbarhaus damit bereits in Mitleidenschaft gezogen, würde dessen Besitzer langfristig ebenfalls zögerlicher bei seinen Investitionen. Eine Vernetzung, wie sie die Ölberg eG leiste, sei deshalb ein wichtiges Instrument, um die Nordstadt als ein lebendiges und attraktives Quartier zu erhalten.

Mehr von Westdeutsche Zeitung