Verwunschene Ruhestätte für Wuppertaler Berühmtheiten

Verwunschene Ruhestätte für Wuppertaler Berühmtheiten

An der Krummacherstraße ruhen Prominente wie Pina Bausch oder Robert Daum unter alten Baumriesen.

Varresbeck. „Willkommen vor dem größten Friedhofsportal Wuppertals. Wir befinden uns hier auf einer Fläche von 176.000 Quadratmetern.“ Schon die Einleitung von Stadtführer Jürgen Holzhauer macht es klar: Der evangelisch-reformierte Friedhof Varresbeck an der Krummacherstraße ist mehr als ein gewöhnliches Gräberfeld.

Die riesige Anlage mit ihren Grabstätten bedeutender Wuppertaler von Pina Bausch bis zu Elberfelds letztem Oberbürgermeister Max Kirschbaum ist auch greifbares Zeugnis der Stadtgeschichte. Deshalb hatte Holzhauer am Wochenende auch 15 Wuppertaler dabei, die sich mit ihm auf Entdeckungsreise auf dem ehrwürdigen Friedhof begaben.

Der Blick ist überwältigend: Umgeben von blühenden Rosen, grünen Baumkronen und wuchernden Weiden steht der Besucher staunend in üppiger Landschaft. „Das ist eine Art Waldfriedhof. Hier sieht und erlebt man viel Natur“, sagt Holzhauer, während die Gruppe über Wiesen und steinige Wege bummelt — und damit in die Zeitgeschichte eintaucht.

„Um etwa 1900 wurde der Friedhof eröffnet. Das war zu einer Zeit, als es in Wuppertal sprichwörtlich boomte“, erzählt Holzhauer und erklärt: „Man hat damals mit bis zu 1000 Bestattungen pro Jahr gerechnet. Mehr als 400 sind es aber nie geworden.“ Der überdimensionalen Planung zum Trotz sind auch heute alle Teile der märchenhaft wirkenden Ruhestätte gut erhalten. Nur abseits der Hauptwege mache Bodenerosion der Instandhaltung zu schaffen.

„Über kurz oder lang werden auch hier Teile des Friedhofs stillgelegt werden müssen. Das ist meist mit vielen Emotionen verbunden“, sagt Holzhauer, als es in Richtung der Grabstätte Pina Bauschs geht. Sie liegt im verwunschensten Teil des Friedhofs, wo der Wald noch weitgehend im naturbelassenen Zustand geblieben ist.

Umgeben von Felsen und Efeu, strahlt das Grab der großen Choreographin schlichte Zurückhaltung aus. Zu Füßen des einfachen Hügels versickert ein kleiner Teich nach und nach im Untergrund. „Wir befinden uns hier auf einem 350 Millionen Jahre alten Kalkriff. Der Bach, der hier durchfließt, verrinnt genau an der Grenze zum neu-jüdischen Friedhof, den es hier seit 2008 gibt“, erklärt Holzhauer.

Einige mit Moos bedeckte Stufen weiter hinauf, am höchsten Punkt des Friedhofs, ein weiteres historisches Grab: Dort ruht Max Kirschbaum. „Kirschbaum trug maßgeblich zur Vereinigung Wuppertals bei“, erläutert Holzhauer. „Erst ab 1930 wurde Wuppertal zu einem ganz neuen Gebilde, nachdem die Vereinigung 1929 unter dem Namen Barmen-Elberfeld fast gescheitert war.“

Während die Gruppe Richtung Friedhofsportal umkehrt, um weitere Friedhöfe zu besuchen (siehe Kasten), sprechen die Wanderer über das gerade Gesehene. Viele äußern sich begeistert über den verwunschenen Friedhof — wie Regina Schneider: „Ich mag diese natürliche Atmosphäre — wenn Zweige herumliegen und es ein bisschen morbid wirkt.“ Ein minuziös gepflegtes Grab hingegen komme für sie später nicht infrage.

Mehr von Westdeutsche Zeitung