Wuppertal: Verein „Kopp Auf“ will beim selbstbestimmten Leben helfen

Wuppertal: Verein „Kopp Auf“ will beim selbstbestimmten Leben helfen

Die Zentrale haben Sabine Nagl und ihre Mitstreiter in einem ehemaligen Kolonialwarenladen an der Kieler Straße.

Ostersbaum. Die Regalwand mit den vielen Schubfächern erinnert, na klar, ein bisschen an eine Apotheke. „Das sagen viele“, sagt Sabine Nagl und lacht. Denn eine Apotheke hat das Ladenlokal an der Kieler Straße, in dem der Verein „Kopp Auf“ seit einigen Monaten seine Heimat hat, nie beherbergt. Wer einen Blick auf die sorgsam gepflegten Schilder auf den Schubladen wirft, erkennt schnell, dass er mit dem Gedanken an Medikamente und Pharmazie auf dem Holzweg ist. Hirse ist zum Beispiel zu lesen, Birnen oder auch Alcanawurzel oder Cichorie. Begriffe, die heutzutage nur noch die ältere Generation kennen dürfte.

„Hier gab es früher alles“, erinnert Nagl, die Vorsitzende des Vereins, an die Historie des mehr als 100 Jahre alten Gebäudes. Bis in die 1980er Jahre bestand das Geschäft. In der jüngsten Vergangenheit hatte der Eigentümer allerdings Probleme, das Ladenlokal wieder zu beleben — bis eben Kopp Auf, die Wuppertaler Initiative für nachhaltige Entwicklung, zuschlug. „Der Eigentümer kam uns bei den Mietkosten schon sehr entgegen“, berichtet Nagl erfreut.

Nachhaltigkeit? Für viele sicher ein sperriger Begriff. „Es geht einfach darum, selbstbestimmt zu leben“, sagt Nagl. Sie hat den Verein vor mehr als einem Jahr mit der mittlerweile verstorbenen Susanne Stahlschmidt gegründet und will das Thema etwas griffiger machen. Und: „Wir wollen die Idee der Nachhaltigkeit zu den Leuten bringen.“ Nicht theoretisch, sondern auch praktisch — wobei der Laden helfen soll.

Produkte aus der Region sind dort zu finden, wie etwa Äpfel von Streuobstwiesen, oder Material von der GEPA. Aber es gehe nicht darum, mit dem Laden das große Geld zu verdienen, betont die Vereinsvorsitzende, sondern über den Ort mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, einen Anlaufpunkt zu bieten. Für Rainer Matthey war der Laden auch der Grund, mit dem Verein in Kontakt zu treten. „Er hat einfach ein tolles Ambiente, und das in einem Stadtteil, der im Aufwind ist“, sagt der Landschaftsarchitekt, der heute Abend einen Vortrag über die Historie des ehemaligen Kolonialwarenladens hält (siehe Kasten).

Der kleine Verein veranstaltet neben Vorträgen aber auch Wanderungen oder zeigt Live-Tutorials im Internet. „Kurze Video-Clips, die einem das Leben erklären“, sagt Nagl und schmunzelt. Ganz praktisch wird es dann mit Veranstaltungen zum Thema Upcycling oder auch Marmeladen- und Kleidertauschbörsen, wie Tochter Laura Valente ankündigt. „Wir wollen beim Thema Nachhaltigkeit nicht so schwertragend wirken“, erklärt ihre Mutter. Es sei nicht „fünf vor Zwölf“, wie viele Kritiker meinen. „Man muss Nachhaltigkeit vielmehr als Chance sehen.“

Natürlich sei Kopp Auf nicht der einzige Verein, der sich mit solchen Themen beschäftigt. „Aber es gibt ja keine Konkurrenz“, betont Nagl. Vielmehr sei man untereinander vernetzt, zum Beispiel mit den Aktivisten am Arrenberg oder den Utopisten im Bahnhof Mirke. Auch der Ostersbaum sei ein guter Platz, um sich zu engagieren.

Das bestätigt Gabi Kamp vom Nachbarschaftsheim am Platz der Republik. Es habe direkt eine Zusammenarbeit gegeben. „Und es ist immer wieder schön, wenn ein Verein mit einem neuen Thema kommt. Das ist eine Bereicherung für den Stadtteil.“

“ Kontakt zum Verein unter Telefon 772 527, Per E-Mail an koppauf@t-online.de oder unter:

koppauf.jimdo.com

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