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Sprachspektakel überzeugt mit Satire und Ironie

Sprachspektakel überzeugt mit Satire und Ironie

Die Neuauflage von „TALwords“ wird dank einer Reihe lokaler Humorexperten zu einem unterhaltsam verrückten Abend.

Elberfeld. Es ist wirklich keine Übertreibung, was auf den Flyern und Plakaten von TALwords 2017 prangt. Das „literarische Sprachspektakel“ an der Bergischen VHS war spektakulär — nicht nur literarisch. Für diejenigen, die den durch Susanne Spitzl und Detlef Vonde initiierten Publikumserfolg bereits 2015 erlebt hatten, durfte das wenig überraschend gewesen sein. Der Neuling indes wurde unverhofft in einen unwiderstehlichen Sog voller satirischer und poetischer Kraft hineingezogen.

Ob nun Conférencier David J. Becher, einen verdrehten Volkshochschullehrer mimend, mit Ironie gesättigten Moderationen, oder einer der fünf mit Gedanke und Wort jonglierenden Auftritte; Langeweile war zweifelsfrei keine Option.

Den fulminanten Auftakt gestalteten die drei Herren von „theatre du pain“, die auf den ersten Blick anmuten wie abgearbeitete Postbeamte aus einer vergessenen kleinstädtischen Verwaltung. Das Label Dada-Theater, was man den anarchistisch querständigen Bremer Universalkünstlern, gern anheftet, deckt kaum das gesamte Spektrum ihrer Performance ab. Philosophisch sind sie, bei ihren verrückt anmutenden Nummern zwischen Gesang, Satire und scheinbarem Nonsens. Es lungerte eine tiefe unaussprechliche Wahrheit hinter dem humoristischen Knall.

Um jene Wahrheit ging es auch Lisa Schöyen. Die Slam-Poetin sucht in ihren Werken, die sie mit unbändiger Lust an poetischer Sprachphantasie durchdringen lässt, einen scheinbar sanfteren Weg. Doch ihre vor Inspiration sprühende Lyrik, die von spontan anmutender, enigmatischen, Treibkraft lebt, trifft in Mark und Bein.

Uwe Becker, Satiriker, WZ-Kolumnist und Schöpfer der unnachahmlichen Fotowitze, ließ in Geschichten und Liedern so manche scharfzüngig formulierte Gesellschaftskritik auf bittersüß pointierte Geschichten treffen. Mit viel lokalem Kolorit und gerne einfach nur sarkastisch trocken wie Knäckebrot.

Die Kunst der satirischen Überhöhung hat Uwe Becker mit Max Christian Graeff gemein, dem mit saftiger Sprache und gewitzten Assoziationsketten gelang, so manchen Zuhörer hinters Licht, oder auch ins schimmernde Zwielicht zu führen. Denn als Franzsika Ury (Kurz: Fury) verfasst er auch vor Ironie triefende Pornographiesatire.

Den Abschluss dieses durchweg unterhaltsamen und verrückten Abends gestaltete der Sänger Jan Röttger — sich an der Gitarre begleitend — , mit nicht minder vielschichtiger, musikalischer Poesie.