Siedlung am August-Jung-Weg stößt auf viel Skepsis

Siedlung am August-Jung-Weg stößt auf viel Skepsis

Nachbarn fürchten mehr Verkehr und Zerstörung der Natur. Investor will Wohnraum für junge Familien bauen.

Katernberg. Der Saal im Katernberger Vereinshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt, als am Mittwoch Abend die Stadt die Pläne für ein neues Wohngebiet am August-Jung-Weg vorstellte. Die Anwohner kritisierten vor allem, dass damit die Frischluftschneise beeinträchtigt wird, sowie zu wenig Parkplatze und fehlende Fußwege von und zu dem Wohngebiet.

Desiree Bandemer vom städtischen Ressort Bauen und Wohnen stellte die Pläne vor, für die die Stadt einen neune Bebauungsplan beschließen muss: 18 oder 19 Einfamilienhäuser auf rund 700 Quadratmeter großen Grundstücken sind vorgesehen. Sie sollen sich zu beiden Seiten einer neuen Erschließungsstraße durch das Gelände aufreihen.

Weil für das Gebiet bereits einmal eine Bebauung geplant war, gibt es aus dieser Zeit noch Gutachten, die zum Teil aktualisiert werden. 2004 wurde unter anderem festgestellt, dass wegen der geringen Durchlässigkeit des Bodens Wasser in die Kanalisation geleitet werden muss und dass eine Bebauung zwar die Frischluftzufuhr in die Stadt beeinträchtigt, aber nur gering. Nach einem Verkehrsgutachten von damals werden die Bewohner der neuen Siedlung wenig Verkehr verursachen.

Nicht nur daran hatten die Veranstaltungsteilnehmer ihre Zweifel. Sie rechneten vor, dass bei gut situierten Familien mit drei bis vier Autos pro Haus zu rechnen sei. Das bedeute eine Menge zusätzlichen Verkehr. Der bereitet ihnen auch deshalb Sorgen, weil der August-Jung-Weg im benachbarten Bereich sehr eng ist.

Mehrere Teilnehmer fragten nach, wie die Kinder der künftigen Hausbewohner zur Schule und zum Kindergarten kommen sollen — für sie sei der Fußweg durch die Engstelle gefährlich. Marc Walter vom Ressort Bauen und Wohnen bestätigte das Problem der Engstelle. Der Bebauungsplan befasse sich aber nicht damit. „Sie können doch nicht für eine Insel planen!“, hieß daraufhin ein Vorwurf aus dem Publikum.

Auf den Einwand eines Anwohners, dass die Kanalisation nicht ausreichen werde, erklärte Desiree Bandemer, dass die Stadtwerke die Planung abgesegnet hätten. Das Wasser müsse nur erst auf den Grundstücken gesammelt werden.

Auch den Stellenwert des Geländes als Frischluftschneise führten Anwohner ins Feld. „Der Wind hat enorme Kraft“, sagte einer. „Das Klima hat sich verändert“, betonte er mit Bezug auf das alte Gutachten. Ein weiterer Anwohner schlug vor, Flachdächer zu bauen, dann könne der Wind wenigstens über die Häuser hinwegwehen.

Marc Walter versicherte, die Stadt werde alle Anregungen mitnehmen. Er betonte, dass die Stadt dringend Bauland für junge Familien brauche. Einige jüngere Zuhörer stellten sich als möglicher Käufer eines Hauses vor: „Wir suchen schon lange. Das hier ist eine sehr schöne Lage“, sagte einer. Ein anderer bat darum, die Kirche im Dorf zu lassen: „Wir würden zwei Garagen mit zwei Stellplätzen davor haben.“

Es stellten sich auch die beiden Investoren des Immobilienunternehmens Arealcon vor: „Wir setzen uns mit viel Herzblut dafür ein, dass junge qualifizierte Familien hier bauen können.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung