Seit 25 Jahren im Geiste Montessoris

Der Verein feiert sein Jubiläum. Das Grundprinzip der Pädagogik: „Hilf mir, es selbst zu tun!“

Arrenberg. Zweijährige streichen ihr Brot selbst, schütten sorgfältig Wasser von einem Gefäß ins andere, schlagen Nägel ein. „Hilf mir, es selbst zu tun!“, lautet das Grundprinzip der Montessori-Pädagogik. In den Räumen der Spielgruppen und des Montessori Kinderhauses am Arrenberg ist die Umgebung so vorbereitet, dass schon die Kleinsten Alltagstätigkeiten ausführen können.

Seit 25 Jahren im Geiste Montessoris
Foto: Birgit Stegen-Sischka

Vor 25 Jahren gründeten engagierte Eltern den Montessori Verein in Wuppertal. Sie hatten sich in einer Montessori-Spielgruppe kennengelernt, die damals bei der Volkshochschule angeboten wurde. „Unser primäres Ziel war es, in eine eigene Trägerschaft zu gehen“, erzählt Birgit Stegen-Sischka, Vorsitzende der Montessori Vereinigung Wuppertal. Bald bot der Verein selbst Spielgruppen in verschiedenen Räumen an. Doch die Eltern wollten ihre Kinder auch im Kindergarten nach Montessori-Pädagogik betreuen lassen. „Die Anfangsjahre waren davon geprägt, passende Räume zu finden“, erinnert sich Stegen-Sischka. Dass die Eltern von Anfang an eine integrative Betreuung anstrebten, machte die Suche zusätzlich schwer.

Schließlich fanden sie das Haus am Beginn der Arrenberger Straße, in dem vorher eine Tanzschule und ein Auktionshaus waren. Gemeinsam mit einem Architekten, der Stadt und dem Landesjugendamt entwarfen die Eltern die Umbaupläne und kauften das Gebäude. Die durch ein getrenntes Treppenhaus erreichbaren Räume im Dachgeschoss waren damals vermietet. Unten sollten eine integrative und oben eine normale Kitagruppe für insgesamt 35 Kinder entstehen. „Die Eltern haben Wände eingerissen, tapeziert und den Garten gestaltet“, sagt Birgit Stegen-Sischka. „Das war oft nervenaufreibend.“ So lernten die Eltern beispielsweise, dass die Handtuchhalter einen exakt vorgeschriebenen Abstand einhalten müssen. Die damalige Kita-Leiterin Anne Schlieker und die heutige Leiterin Petra Kirschbaum entwickelten gemeinsam das pädagogische Konzept. Typische Montessori-Materialien wie mathematische Würfel, Schleifenrahmen oder Gewichtszylinder wurden angeschafft.

Im Januar 1996 wurde das Montessori Kinderhaus dann nach eineinhalb Jahren Bauzeit eröffnet. Christina Rau hielt damals eine feierliche Rede. Einige Eltern hatten extra auf die Montessori-Einrichtung gewartet, andere waren neu hinzugekommen. Viele waren bereit, sich im Vorstand zu engagieren und immer wieder zu helfen. „Meine drei Kinder verbrachten eine tolle Zeit in der liebevoll vorbereiteten Umgebung, in der das Kind in seiner Persönlichkeit geachtet wird und Raum für freie Entscheidungen bekommt“, sagt die Mutter Britta Kessel-Müller, deren Kinder sowohl die Spielgruppen als auch den Kindergarten besuchten.

Als die Mieter im Dachgeschoss auszogen, begann für die Eltern erneut die Arbeit. Wieder renovierten sie, legten Teppiche und gestalteten die Zimmer. In der sogenannten Frühpädagogik trafen sich sowohl Eltern mit Kindern zu Spielgruppen als auch Kinder ohne Eltern in der Übergangsgruppe. Zu Hochzeiten gab es vier Spielgruppen und zwei Übergangsgruppen an je zwei Vormittagen. Das hat sich heute geändert, da viele Mütter ihre Kinder nach einem Jahr in eine Krippe oder zur Tagesmutter geben. Heute bekommen Eltern schnell einen Platz für ihre Kleinen.

Der Ablauf ist der Gleiche geblieben: Die Kinder kommen in Ruhe an und entscheiden dann völlig selbständig, womit sie sich beschäftigen wollen: Vielleicht das Hör-Memory, bei dem gleich aussehende Röhrchen unterschiedliche Geräusche von sich geben? Oder Knöpfe schließen üben? In der Sandecke matschen? Zwischendurch gibt es ein gemeinsames Frühstück, am Ende wird im Kreis gesungen. Im Kinderhaus können die Drei- bis Sechsjährigen dann auch bügeln, kochen oder im Garten toben. Dort bekommen sie mittags ein frisch zubereitetes, gesundes Essen.

Seit 2000 bildet die Montessori Vereinigung Wuppertal den Dachverband für die einzelnen Bereiche. Neben dem Kinderhaus und der Frühpädagogik gehört auch die Grundschule Thorner Straße dazu, die seit 1985 einen Montessori-Zweig anbietet. Seit 2003 gibt es auch an der Grundschule Mirker Bach eine Montessori-Klasse. Und die Vereinigung bildet regelmäßig Interessenten in der Montessori-Pädagogik aus. Viele Ideen sind heute selbstverständlicher Bestandteil auch in „normalen“ Kitas und Grundschulen geworden.