Rheuma-Tag im Krankenhaus St. Josef

Viele Betroffene, aber auch Angehörige und Interessierte informierten sich im Krankenhaus St. Josef an der Bergstraße.

Nordstadt. Die Löffeltheorie macht es deutlich. Die 15-jährige Friederike Spieckermann erklärt: „Schon morgens muss ich mir überlegen, was ich heute machen möchte und wie viel ich davon überhaupt schaffen kann.“ Aufstehen, Zähne putzen, frühstücken — pro Aktion legt die Schülerin einen weißen Plastiklöffel zur Seite. „Was für gesunde Menschen normal ist, bedeutet für mich einen hohen Energieaufwand. Bus fahren ist zum Beispiel besonders anstrengend“, erzählt Friederike Spieckermann weiter und legt dafür gleich zwei Löffel zur Seite. Bevor die 15-Jährige in ihrer Schilderung eines gewöhnlichen Tagesablaufs überhaupt den Abend erreicht, hat sie alle Löffel aufgebraucht — ein Bild für die fehlende Energie. Ein Treffen mit Freunden oder ein gemütlicher Kinoabend wäre für die Schülerin nun undenkbar.

Was Rheuma im Alltag bedeutet und welche Hilfsmittel erkrankte Menschen nutzen können, demonstrierte der 12. Wuppertaler Rheumatag im St. Josef Krankenhaus am Samstag. Neben Mitmachaktionen wie der von Friederike Spieckermann lockten Vorträge, Kochangebote und Gesprächsrunden in die erste Etage des Krankenhauses. Mit der Resonanz war Wolfgang Peetz vom Klinikverbund St. Antonius und St. Josef zufrieden: „Bereits in der ersten Stunde hatten wir etwa 120 Besucher.“ Auch für Rheuma-Patienten mit Migrationshintergrund war gesorgt: Dr. Baris Demirel beantwortete Fragen türkischsprachiger Besucher.

„Die Ernährung kann eine Therapie nicht ersetzen. Sie kann die Therapie aber weitreichend unterstützen“, betonte Agnes Cetera, die als Diätassistentin beratend vor Ort war. „Viel Obst und Gemüse. Bis zu fünfmal täglich“, riet sie Menschen mit rheumatischer Erkrankung und erklärte: „Wer gerne Fleisch ist, sollte auf Eier verzichten. Fisch mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren ist empfehlenswert.“ Nebenan stellte Ergotherapeutin Dagmar Foit Hilfsmittel des alltäglichen Lebens vor. Darunter Messer mit merkwürdig gebogenem Griff, Schreibhilfen und Hygieneartikel.

Rücken — und Bürostühle konnten eine Tür weiter ausprobiert werden. Rhythmische Bewegungen mit Musik bot die Tanzgruppe der Arbeitsgemeinschaft (AG) Wuppertal der Deutschen Rheuma-Liga. „In so geballter Form bekommen Patienten selten Informationen und Anregungen an nur einem Tag“, so Klaus Asmus, Leiter der AG. Diese nahm zum Beispiel Besucherin Luise Zlobko, die auf der Suche nach Tipps bei Problemen im Wirbelsäulenbereich war, gerne an.

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