Politiker diskutierten über Suchtcafé Café Cosa: „Diese Menschen wertschätzen“

Politiker diskutierten über Suchtcafé Café Cosa: „Diese Menschen wertschätzen“

Die Einrichtung für Suchtkranke soll nach Fertigstellung des neuen Döppersbergs in den Wupperpark Ost ziehen. Dem stimmte der Rat bereits zu. Für die CDU-Fraktion in der BV Elberfeld ist die Diskussion noch keineswegs vorbei.

Elberfeld. „Im Grunde ist der Drops doch gelutscht.“ Etwas informell unterstrich Gerta Siller von den Grünen in der Elberfelder Bezirksvertretung (BV), die Tatsache, dass die Entscheidung um den künftigen Standort des Cafés Cosa eigentlich feststeht. Die Einrichtung für Suchtkranke soll nach Fertigstellung des neuen Döppersbergs in den Wupperpark Ost ziehen: Dem stimmte der Rat bereits zu, was in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Befürworter und Gegner auf den Plan gerufen hatte.

Doch für die CDU-Fraktion in der BV Elberfeld die Diskussion noch keineswegs vorbei, wie sich bei der jüngsten Sitzung zeigte. Zu der hatten die Christdemokraten einen Antrag eingebracht, wonach für das Suchtcafé ein „geeigneterer Ort“ gesucht werden soll. Er wolle „ausdrücklich klarstellen“, sagte CDU-Fraktionssprecher Joachim Knorr, „dass wir für das Café Cosa sind“. Es gehe „in keiner Weise darum, die Menschen zu verdrängen und das Café auf die grüne Wiese zu verbannen“, betonte er. Sondern es solle in einer zentralen Lage bleiben. „Wir haben aber Schwierigkeiten damit, dass es eben am neuen Döppersberg eingerichtet wird — dort, wo das Eingangstor der Stadt völlig neu entsteht.“ Und wodurch sich die Chance biete, „dass Wuppertal als Oberzentrum im Bergischen Land wieder wahrgenommen wird.“

Der neue Döppersberg sei „ein Objekt, in das viele Millionen Euro gesteckt worden sind, um der Stadt auch zu einem neuen Image zu verhelfen“, argumentierte Knorr. Die Interessen von Händlern und Besuchern der Stadt müssten ebenfalls berücksichtigt werden. Er hält insbesondere die Nähe zur künftigen Tourist-Info für problematisch. „In dieser Konstellation haben wir Bedenken.“ Man müsse „akzeptieren, dass es Menschen gibt, die einen Eindruck gewinnen - begründet oder unbegründet - der geprägt ist von Unwohlsein, Sorge oder Ängsten“. Und die dieses Umfeld meiden würden. Deshalb solle für das Café Cosa an einer zentralen Stelle in der Stadt „ein geeigneterer Standort für das Café und seine Besucher“ gefunden werden.

Das aber dürfte nach Einschätzung von Thomas Kring von der Elberfelder SPD gar nicht so einfach sein. Man sehe an der Diskussion um den Kirchplatz, wie schwierig es sei, „auch nur einen vorübergehenden Standort zu finden“. Das Zeitkorsett für den Wupperpark Ost sei ohnehin sehr eng: „Hier noch eine Umplanung vorzunehmen, würde zusätzlich zu einer Verzögerung des Projekts führen, die eigentlich keiner von uns will.“

Außerdem sei das Suchtcafé überhaupt nur dann sinnvoll, „wenn es auch angenommen wird“, so Kring. „Und das heißt, dass es in einer wirklich zentralen Lage sein muss.“ Also in Bahnhofsnähe, wo sich auch anderswo die Szene üblicherweise aufhalte, wie Gerta Siller ergänzt: „Man muss Plätze so gestalten, dass diese Leute in der Menge nicht auffallen.“

Mit seinem Plädoyer für die „liberale, offene, zugehende Drogenpolitik“, die in Wuppertal so erfolgreich sei, hatte Thomas Kring den Bezirksbürgermeister auf seiner Seite. Hans-Jürgen Vitenius, selbst langjährig in der Drogenarbeit engagiert, gab zu bedenken: „Was wäre, wenn das Köbo-Haus nicht verkauft worden wäre — würde der Antrag dann dahingehend lauten, das Café Cosa dort rauszusetzen?“

Es gehe bei der Einrichtung „auch um Wertschätzung dieser Menschen“, betonte Thomas Kring, der den Standort am neuen Döppersberg „ausdrücklich begrüßt“.

Der CDU-Antrag wurde von der BV mehrheitlich abgelehnt.

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