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Pfarrerin führt Besucher in verborgene Kirchenräume

Pfarrerin führt Besucher in verborgene Kirchenräume

Friedhofskirche präsentierte sich am Donnerstag als „Denkmal des Tages“. Das 1898 eröffnete Gotteshaus ist eines der größten in Wuppertal.

Elberfeld. Wer die Friedhofskirche in der Hochstraße betrifft, wird den Unterschied vielleicht nicht sofort bemerken, doch in der 1898 eröffneten Kirche ist einiges anders als in „klassischen“ Gotteshäusern. So gibt es etwa kein Kreuz und kein Bildnis von Gott, Christus oder Heiligen in der Kirche, auch der Aufbau in Haupt- und Seitenschiff fehlt. Stattdessen sitzt die Gemeinde in einem großen Halbkreis um den Pfarrer beziehungsweise die Pfarrerin. Über die Besonderheiten der Kirche informierte zu Christi Himmelfahrt Pfarrerin Sabine Dermann. Sie führte gut ein Dutzend Gäste durch die Friedhofskirche. Anlass für die Führung war die Tatsache, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Kirche am Donnerstag zum „Denkmal des Tages“ gekürt hatte.

Die Stiftung hatte damit eine Kirche ausgewählt, die zu den bedeutendsten evangelischen Kirchenbauten im 19. Jahrhundert im Rheinland zählt. Bis zu 1024 Personen finden in der Friedhofskirche Platz, sie ist eines der größten Gotteshäuser in Wuppertal. Dass in ihrem Inneren keine Heiligenbilder oder -statuen zu finden sind, hängt damit zusammen, dass die Kirche von einer reformierten Gemeinde in Auftrag gegeben worden war. Und die Mitglieder dieser Gemeinde wollten eine schlichte Kirche haben, die sich nicht mit falschem Zierrat schmückt und das — nach reformierter Tradition gültige — Gebot „Du sollst dir kein Bildnis machen!“ befolgt.

Dennoch: Die Gemeinde habe sich damals auch „eine schöne Kirche“ gewünscht, erzählte Dermann, die seit sieben Jahren in der Gemeinde Elberfeld-Nord als Pfarrerin arbeitet. So ist das Innere durchaus geschmackvoll und verbreitet trotz des Bekenntnisses zur Schlichtheit einen gewissen Charme. So steht etwa der Abendmahltisch auf einem Marmorsockel, für das Presbyterium gibt es ein eigenes Holzgestühl. Angenehm sei zudem, dass man als Pfarrer von der Kanzel aus die Besucher des Gottesdienstes gut im Blick hat: „Man kann wirklich jeden sehen“, betonte Dermann.

Auf den Kirchenfenstern werden — entsprechend der reformierten Einstellung — werden keine Heiligen dargestellt, sondern etwa Zitate aus der Bibel wiedergegeben. Auf einem der Fenster wird zudem die erste These der Barmer Theologischen Erklärung zitiert, mit der sich die Bekennende Kirche gegen die Vereinnahmung durch die Nazis im „Dritten Reich“ gewehrt hatte. Die Fenster wurden in den vergangenen Jahren nach und nach erneuert, nachdem die Originalfenster im Zweiten Weltkrieg beschädigt und zunächst durch provisorische Fenster ersetzt werden mussten. Am 10. September steht nun der letzte Akt der Erneuerung an: Dann werden die beiden Rosettenfenster gegenüber der Kanzel offiziell eingeweiht.

Gebaut wurde die Kirche von dem Architekten Johannes Otzen aus Berlin, der insgesamt 24 Gotteshäuser errichtet hat. Die Bauzeit betrug lediglich dreieinhalb Jahre. Otzen orientierte sich unter anderem an spätromanischen Bauelementen, bediente sich aber auch bei der Gotik, byzantinischen Vorbildern und dem Jugendstil. Nach der Begrüßung im Kirchenraum führte Dermann die Besucher über die Chorempore in den Turm der Friedhofskirche. Von der Empore hatten die Gäste einen guten Blick auf die Wilhelm-Sauer-Orgel, die für ihr spätromantisches Klangbild bekannt ist. Zum Schluss ging es ganz nach oben bis in Glockenstuhl. Die drei ursprünglichen Glocken der Kirche waren aus Bronze und wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen, um sie für Kriegszwecke zu verarbeiten. Nach dem Ende des Krieges wurden dann Stahlglocken gegossen, die erstmals zu Weihnachten 1949 wieder erklangen.

Einen kurzen Weg ins Gotteshaus hatte dabei Sebastian Bennemann, der gleich gegenüber dem Gotteshaus an der Hochstraße wohnt und sich kurzfristig zum Kommen entschieden hatte. „Ich hatte Lust, auf den Turm zu gehen“, sagte der junge Mann. Einen deutlich weiteren Anfahrtsweg hatte dagegen Uta-Cornelia Götze. Sie kommt aus Annaberg-Buchholz im Erzgebirge und hatte mit einem Bekannten das Ehemann Dermann besucht. Die Kirche sei „sehr schön“, betonte sie.