Osterberg ist ehrenamtlich Heiliger

Der Elberfelder begeistert als St. Martin und beschenkt als Nikolaus Kinder und Senioren.

Elberfeld. Ein Heiliger ist er nicht, noch nicht. Hans Osterberg schlüpft aber regelmäßig in ihre Rollen. Als Heiliger Martin teilt er mit dem Bettler den Mantel, als Nikolaus mit Mitra, Hirtenstab und Pony beschenkt er die Kinder. „Ihre strahlenden Augen sind einfach wunderbar“, sagt der 69-Jährige. Er ist erfüllt von dem Wunsch, anderen Menschen Freude zu machen.

Deshalb tauscht er gleich nach Weihnachten den roten Mantel gegen die rote Nase und besucht als Clown Altenheim und Krankenhaus. Sich selbst zum Narren zu machen, scheut den Elberfelder nicht. „Manchmal bin ich auch als dicke Tante unterwegs. Das kommt auch sehr gut an.“

Stets an seiner Seite ist Rauhaardackel Attila. „Er ist auch Ehrenamtler“, sagt Hans Osterberg und zieht ein Foto aus der Tasche, auf dem er mit seinem Vierbeiner und Kardinal Meißner zu sehen ist. Bei der Tiersegnung im Nevigeser Mariendom, die Hans Osterberg auch für Attila mitinitiiert und organisiert, darf der Dackel auch ganz nahe an den Altar. „Er macht den Menschen so viel Freude“, sagt sein Herrchen. Besonders bei den Senioren und im Kindergarten ist er ein gern gesehener Gast und fast so engagiert wie Hans Osterberg.

Er ist als Ehrenamtler überall dort im Einsatz, wo den hauptamtlichen Mitarbeitern die Zeit für ein Gespräch oder ein gemeinsames Schweigen fehlt. „Die Pfleger in Krankenhaus und im Altenheim haben so enge Vorgaben, sie schaffen es einfach nicht, sich zu jemandem ans Bett zu setzen.“ Die Menschen für einen Moment glücklich zu machen, betrachtet Hans Osterberg als seine Aufgabe.

Seit mehr als 50 Jahren geht er im St. Josef-Krankenhaus ein und aus. „Meine Großmutter war früher oft krank und ich bin nach der Schule immer gleich zu ihr gegangen. Oben gab es einen Dachgarten. Dort habe ich mit einer der Schwestern Tomaten angepflanzt und meine Hausaufgaben erledigt.“ Da seine Oma damals auch die Weihnachtstage in der Klinik verbringen mussten, fragten die Schwestern den damals Sechsjährigen, ob er für die Patienten Weihnachtslieder singen könnte. „Das war mein erstes Ehrenamt“, berichtet Hans Osterberg lächelnd. „Heiligabend sind wir mit einem mobilen Harmonium über die Station gefahren und haben Leuten ein bisschen Freude geschenkt.“

Nach dem Tod seiner Großmutter pflegte er 19 Jahre lang seinen Großvater. „Dabei haben mir die Schwestern sehr geholfen.“ Er revanchierte sich mit tatkräftiger Unterstützung bei den Patienten auf der Inneren.. „Mit Schwester Gemma, mit der ich damals zusammen gearbeitet habe, treffe ich mich heute noch“, berichtet Hans Osterberg.

Die Selbstverständlichkeit, mit der die Borromäerinnen sich um Kranke und Bedürftige kümmerten, beeindruckte ihn so nachhaltig, dass er darüber den Weg zum Glauben fand. „Sie waren immer für alle Menschen da und haben soviel Gutes getan.“ Kurz nach seiner Kommunion begann der Elberfelder seine Karriere als Messdiener. „Ich wollte Gott nahe sein“, sagt er schlicht. Im Dezember feiert er sein 60-jähriges Dienstjubiläum in St. Laurentius.

Den Kranken die Heilige Kommunion zu bringen, empfindet er noch immer als eine Ehre, leidenschaftlich gerne pilgert er jedes Jahr nach Lourdes. „Dort gibt es nur glückliche Menschen — auch wenn sie noch so krank sind. Das ist das eigentliche Wunder.“ Seinen Glauben bekennt Hans Osterberg auch, wenn er die Krankenhauskapelle festlich schmückt, zu Fronleichnam kunstvolle Blumenteppiche vor dem Altar gestaltet oder in mühevoller Kleinarbeit Fahnen mit den Figuren von Heiligen bestickt. Freizeit hat der Rentner selten. „Wenn ich mit meinem Dackel spazieren gehe oder im Urlaub bin, dann schöpfe ich Kraft.

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