Wuppertal: Nach Bluttat in der Bergischen Diakonie: Rückkehr in ein verlorenes Zuhause

Wuppertal : Nach Bluttat in der Bergischen Diakonie: Rückkehr in ein verlorenes Zuhause

Die Bewohner und Betreuer der Bergischen Diakonie ziehen nach der Bluttat im Mai wieder an die Straßburger Straße.

Elberfeld. Am Abend des 24. Mai wurde die Sozialtherapeutische Einrichtung der Bergischen Diakonie an der Straßburger Straße zu einem Ort des Grauens. Ein 42-jähriger Mann, der aus psychischen Gründen nicht schuldfähig ist, erstach drei seiner Mitbewohner, bevor er von Beamten eines Sondereinsatzkommandos gestoppt werden konnte. Obwohl die Schrecken dieser Nacht noch längst nicht verarbeitet sind, deutet inzwischen vieles daraufhin, dass die 21 Bewohner und ihre Betreuer in den kommenden Wochen und Monaten wieder die gemeinsame Unterkunft auf dem Ostersbaum beziehen werden.

Am 8. Dezember will sich die Bergische Diakonie im Rahmen der Aktion Ostersbaumer Adventskalender mit einer offenen Tür im Quartier zurückmelden. „Der Umbau und die Renovierung des Gebäudes werden in diesen Tagen abgeschlossen werden“, sagt Diane Kollenberg-Ewald, Bereichsleiterin des Sozialtherapeutischen Verbunds der Diakonie. In den folgenden Wochen und Monaten sollen die Bewohner und ihre Betreuer dann wieder einziehen. Bewusst werde dafür aber kein exakter Einzugstermin festgelegt.

Die schrecklichen Ereignisse im Mai haben die Bewohner sowie die Mitarbeiter der Diakonie traumatisiert und den Anwohnern am Ostersbaum einen tiefen Schock versetzt. Einige der Mitbewohner der drei Todesopfer mussten barfuß und in Todesangst ihre Wohnungen verlassen, während Hubschrauber über dem Tatort kreisten und Polizisten das Haus durchsuchten. Die überlebenden Bewohner der Einrichtung fanden bereits am Tag nach der Tatnacht in einer städtischen Unterkunft Zuflucht. Die Hausgemeinschaft konnte somit erhalten werden und soll nun bald an alter Stelle fortgesetzt werden.

„Für die Diakonie stellte sich zunächst die Frage, wie und in welchen Räumlichkeiten die Arbeit fortgeführt werden kann. Es ist noch immer ein ergebnisoffener Prozess, aber es zeichnet sich ab, dass alle Bewohner und Mitarbeiter in das Haus an der Straßburger Straße zurückkehren wollen — damit es wieder zu dem Zuhause wird, das die Bewohner einmal hatten“, sagt Prof. Jörg Hohlweger, theologischer Leiter der Bergischen Diakonie.

Professionelle Hilfe erhielt die Diakonie durch Experten aus dem eigenen Haus, durch die geistliche Seelsorge und durch Mitarbeiter des Instituts für Trauma- und Konfliktforschung in Köln. Das Kölner Institut kann auf Erfahrungen aus den Tragödien in Winnenden und beim Absturz des Flugzeugs von German Wings aufbauen. Stefan Spitzer, Teamleiter des Betreuerstabs an der Straßburger Straße, lobt die psychologische Betreuung und Begleitung in den vergangenen Monaten. „Von der Betreuung haben wir Mitarbeiter und alle Bewohner des Hauses profitiert. Ich habe die Bodenhaftung wieder“, sagt Spitzer.

Die Experten aus Köln hatten der Diakonie dazu geraten, das Haus an der Straßburger Straße nicht aufzugeben. Auch weil die Bewohner und Mitarbeiter im Stadtteil Ostersbaum gut integriert sind, wurde vieles unternommen, um eine Rückkehr zu ermöglichen. Die baulichen Veränderungen gehen weit über Kosmetik hinaus. Die Bewohner wurden dabei sowohl in die Planungen als auch in die Neugestaltung der Einrichtung einbezogen.

„Wir werden uns das Haus Raum für Raum als Wohnheim zurückerobern müssen“, hatte Prof. Jörg Hohlweger wenige Tage nach der schrecklichen Nacht angekündigt. Bei allen Fortschritten, die durch anteilnehmende Fürsorge und psychologische Hilfe erzielt wurden, werde niemals vergessen, dass „die drei Menschen, die wir verloren haben, unersetzbar sind“.

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