Einzelhandel vs. Onlinehandel: Modegeschäft im Luisenviertel zeigt Online-Riesen die Zähne

Einzelhandel vs. Onlinehandel : Modegeschäft im Luisenviertel zeigt Online-Riesen die Zähne

Das Modegeschäft „Square Eight“ setzt im Luisenviertel auf ein Einkaufserlebnis. Die IHK sieht darin eine Vorbildfunktion.

Elberfeld. Es waren ihre vielen Ideen, die Mathias Klein und seine Lebensgefährtin Carla Müller vor vier Jahren motivierten, ein eigenes Modegeschäft zu eröffnen. „Wir sind kreative Köpfe und umsetzungsstark“, sagt Klein. Der 30-Jährige war vorher Manager eines großen Bekleidungsgeschäfts in Bochum, wollte aber sein eigenes Ding machen. Dass er und seine Lebensgefährtin damit an der Friedrich-Ebert-Straße landeten, sei kein Zufall: „Unser Konzept passt nur in ein alternative Viertel wie das Luisenviertel“, sagt Klein.

Am 15. September feiert „Square Eight“, das sich laut Inhaber wirtschaftlich gut entwickelt, vierjähriges Bestehen. Das Modegeschäft hat sich auf Kleidung aus Skandinavien spezialisiert — aus persönlichem Interesse. „Das entspricht einfach unserem Geschmack“, sagt Klein und verweist damit bereits auf einen Teil des Erfolgsrezepts, sich im Einzelhandel Wuppertals zu etablieren. Denn man müsse auch hinter dem Produkt stehen, dass man verkaufen möchte, findet der 30-Jährige. „Und man muss Erlebnis und Qualität bieten“ — besonders, um sich vom Onlinehandel abzugrenzen. „Für mich waren das in anderen Städten immer die besten Läden, die man fernab der Einkaufsstraßen entdecken konnte“, sagt Klein. Ein Fachgeschäft wolle man finden, sonst könne man auch online bestellen. Damit es etwas Besonderes sei, spreche er auch nicht die Massen an, sondern biete „exklusive Mode und Lifestyle“. Bei „Square Eight“ kann man sich in gemütlicher Dekoration komplett neu einkleiden — von den Schuhen bis zur Sonnenbrille. Dazu gibt es etwas zu trinken aus der Bar — ganz dem Konzept „Erlebniseinkauf“ getreu. Hinzu kommen regelmäßige Veranstaltungen wie Barbeques, Weihnachtsfeier oder die Teilnahme an der Aktion „Das Viertel leuchtet“.

Auf diese Weise habe man sich einen guten Kreis an Stammkunden aufgebaut. Hinzu kommen Aktivitäten bei Facebook und Instagram sowie eine eigene Homepage, die als „Schaufenster“ dienen soll. Doch vieles entwickle sich über persönliche Kontakte. „Wir leben auch von den Empfehlungen unserer Kunden“, sagt Klein. Einen Onlineshop habe man noch nicht. Denn dafür brauche man ein zusätzliches, sehr großes Lager. „Online sollen die Artikel möglichst immer in großer Auswahl vorrätig sein“, so Klein. Das lasse sich derzeit nicht mit dem Qualitätsanspruch des Shops und dem Erlebniskonzept vereinbaren. Doch die Inhaber haben auch bereits Ideen, wie sich der Onlineeinkauf mit einem Erlebnis kombinieren ließe.

Bei der IHK sieht man bei „Square Eight“ einige Kriterien erfüllt, wie sich der lokale Einzelhandel gegen die Konkurrenz von Einkaufszentren und Onlinehandel behaupten kann. „Dort wird ein Lebensgefühl verkauft“, sagt Daria Stottrop, als Leiterin des internationalen Geschäfts bei der IHK auch für den Einzelhandel zuständig. Kleidung, Schuhe und Sonnenbrille seien aufeinander abgestimmt. „Das können Standardläden nicht.“ Das Erlebnis, beim Einkauf oder durch kleine Events, spiele auch eine große Rolle: „Das haben Sie bei Amazon einfach nicht“, so Stottrop. Und wenn das Einkaufserlebnis stimme, dann spielten auch ein paar Euro mehr oder weniger für die Kunden keine Rolle — zumindest im gehobenen bis oberen Niveau wie bei „Square Eight“. Das geht Hand in Hand mit der persönlichen Überzeugung der Inhaber für ihr Produkt oder der Begeisterung für den Kunden. „Man braucht eine gute Idee, viel Ausdauer und Herzblut“, ist sich Stottrop sicher. Vor Ort könne man punkten, indem man sich lokal engagiere und dort persönlich bekannt sei. Das Erlebnis habe eine große Bedeutung: „Es geht nicht mehr um Umsatz pro Quadratmeter, sondern um das Erlebnis pro Quadratmeter“, sagt Stottrop.

Ganz klassisch könne der Einzelhandel natürlich nach wie vor mit gutem Service punkten, zum Beispiel mit Kulanz bei der Rückgabe und guter Beratung. Im Internet müsse man aber zumindest mit einer eigenen Homepage oder bei Facebook auffindbar sein.

Und beim Sortiment grenzt sich „Square Eight“ immer mehr von den großen Ketten ab. „Wir verabschieden uns immer mehr von den großen Marken“, sagt Mathias Klein. Denn für Einzelhandelsgeschäfte gehe es nicht um Umsatz, sondern um Gewinn. Und um den aufrecht zu erhalten oder weiter zu steigern, haben Mathias Klein und Carla Müller schon viele weitere Ideen. „Wir hätten an einer eigenen Kollektion Spaß“, sagt Klein.