Marokkaner liebt Haxe mit Sauerkraut

Khalil Charhabil bietet im Dorrenberger Hof seit Juli gutbürgerliche Küche an.

Ölberg. Oft ändern sich mit einem Pächterwechsel der Charakter und auch die Speisekarte eines Lokals. Vor allem wenn der „Neue“ ein Gastronom fremder Herkunft ist. Das ist beim „Dorrenberger Hof“ oben an der Hochstraße auf dem Ölberg ein wenig anders. „Das ist hier gelebte Integration“, sagt Rita Titz-El Azzar, bei der erste Teil des Namens die deutsche Staatsbürgerin und der zweite Teil den marokkanischen Ehemann verraten.

Sie stellt ihren Neffen, den Inhaber des Traditionslokals, den gut gelaunten Küchenchef und Gastronomen Khalil Charhabil aus Marokko, dessen Ehefrau und deren Bruder vor. Sie sind Deutsche mit italienischen Wurzeln, die alle im Dorrenberger Hof ein Ziel haben: Die Gäste mit Qualität zu überzeugen. Und zwar mit gutbürgerlicher deutscher Küche. Da findet man auf dem Speiseplan Miesmuscheln nach rheinischer Art, Reibekuchen, Krustenbraten, Spare-Ribs und die urdeutsche Haxe mit Sauerkraut und Püree, und Khalil fügt sichtlich stolz hinzu: „Die müssen Sie probieren“.

„Wir wollten an dem bodenständigen Charakter des Hauses nichts ändern“, verrät der Pächter, der im Juli die traditionsreiche Gastwirtschaft und mit ihr auch einen großen Teil der Gäste übernommen hat und sich auf dem Ölberg, wo er mit seiner Familie auch wohnt, sichtlich wohl fühlt.

Der fließend deutsch sprechende, ausgesprochen herzlich wirkende Marokkaner war vor 20 Jahren schon in Deutschland bei seiner Tante zu Besuch, erlernte in der Heimat sein Handwerk, kochte später in Rimini in Costera Romagnola und wagte dann den gastronomischen Sprung nach Deutschland. Zunächst im Düsseldorfer Medienhafen, dann in Wuppertal im auf bergische Küche spezialisierten „Landhaus Ewich“, ehe ihm der Dorrenberger Hof angeboten wurde. „Der Schritt von Italien nach Deutschland war nicht leicht“, erinnert sich Khalil.

Doch seine Gäste sind zufrieden, wie die beiden Herren „vom alten Schlag“ Rolf Gräfe und Dieter Küster am Biertisch bestätigen. „Hier schmeckt das Essen und auch das Bier“, sagen die Senioren, die seit 20 Jahren Stammgäste sind.

Aber der marokkanische Koch kann auch anders: Dann nämlich, wenn er einmal im Monat zum „arabischen Büffet“ einlädt. Dann stehen Aades (marokkanischer Eintopf mit Linsen), Zaalok (gebratene Aubergine in Tomatensauce) oder Tajin Gnanmi (Lammfleisch mit Schmorzwiebeln, Pflaumen und gerösteten Mandeln) auf den Büfett-Tischen im großen Extra-Gastraum.

„Eine Anwaltskanzlei wollte ihren Angestellten mal etwas Besonderes bieten und hat dieses Spezialitäten-Büfett bestellt“, erzählt Rita Titz-El Azzar. „Das war ein solcher Erfolg, dass wir das regelmäßig machen wollen“, verspricht der Wanderer zwischen zwei gastronomischen Welten. „Am 27. Oktober ist es wieder soweit“, so Khalil Charhabil und ergänzt: „Vorbestellung wird erbeten.“

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