1. NRW
  2. Wuppertal
  3. Stadtteile
  4. Elberfeld

KZ-Erinnerungen lassen Schüler weinen

KZ-Erinnerungen lassen Schüler weinen

Ein Gespräch mit dem Überlebenden Jacques Altmann geht Schülern der Else-Lasker-Schüler-Gesamtschule sichtlich nahe.

Elberfeld. Im Musikraum der Else Lasker-Schüler-Gesamtschule herrscht Stille. Soeben hat der KZ-Überlebende Jacques Altmann mehr als 60 Schülern von seiner Zeit in Birkenau berichtet. Im Unterricht hatten die Schüler die Zeit des Nationalsozialismus schon mehrfach thematisiert. Von vielen Gräueltaten der Nazis wussten sie bereits. „Durch den Zeitzeugen wird das aber wie ein Film. Es ging mir sehr unter die Haut“, sagt Ibrahim (18).

Besonders als der 90-jährige Altmann erzählt, wie er seine Großeltern mit einem der Transporte ankommen sah, und sie direkt in die Gaskammern geschickt wurden, können viele Jugendliche ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Ein Mädchen ist sogar zu aufgewühlt, um dem gebürtigen Elberfelder eine Frage zu stellen. Mitten im Satz bricht sie ab — und lässt ihren Tränen freien Lauf. Danach erzählt die Schülerin, dass sie sich vorgestellt habe, wie sie ihren Großeltern dabei zusehen müsste, in den Tod geschickt zu werden.

Es sind auch die kleinen Details, die den Bericht von Jacques Altmann für die Schüler so realistisch werden lassen. Auch bei denjenigen, die sich anfangs unbeeindruckt zeigten, sind schockiert, als Altmann erzählt, wie seine Mithäftlinge während des Todesmarsches nach Buchenwald so wenig Brot hatten, dass sie Würmer und Mäuse aßen, um zu überleben.

Viele der Schüler sind Kinder von Einwanderern. Ein schlechtes Bild von den Deutschen haben sie aufgrund von Altmanns Schilderungen nicht. „Unser Lehrer hat uns erzählt, dass seine Großeltern auch ’mitgemacht’ haben“, sagt die 16-jährige Rasal, die das Zeitzeugen-Gespräch moderierte. Dass Ingo Lämmerhirt mit der Vergangenheit seiner Familie hadert, wissen seine Schüler. Sie verurteilen aber die, die noch heute Menschen in Rassen einteilen. „Jeder Mensch ist einzigartig“, sagt Ibrahim. „Wir sollten mehr auf die Gemeinsamkeiten achten, statt auf die Unterschiede.“