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Kinder-Ma(h)lZeit: „Ihr seid wie eine zweite Familie“

Kinder-Ma(h)lZeit: „Ihr seid wie eine zweite Familie“

Beim Kinderschutzbund kommt jeden Tag ein warmes Essen auf den Tisch.

Elberfeld. Die Tür an der Schloßbleiche steht weit offen, lachende Kinder laufen rein und raus. Im Ladenlokal 18 ist ein großer Tisch gedeckt. Sevgi (13) stellt noch den letzten Teller in die Mitte. Heute ist Kuchentag. Jeden Freitag schließen die Kinder mit ihren Betreuern die Woche bei einem gemütlichen Kaffeetrinken ab.

„Ihr seid für mich wie eine zweite Familie geworden. Ich brauche keine Spiele, ich brauch euch und eure Liebe.“ Manuela Ocello liest aus dem Brief einer Elfjährigen. „Es ist schön zu sehen, dass die Kinder durch uns ein bisschen Halt im Leben bekommen“, sagt sie. Seit einem Jahr leitet sie mit Melike Baysal die Elberfelder Kinder-Ma(h)lZeit vom Kinderschutzbund Wuppertal. Mit einem Team von 14 Ehrenamtlichen kümmert sie sich um Kinder aus sozial schwachen Familien.

Die Geschwister Mikael (10) und Eren (11) kommen gerne zum Treffen am Nachmittag. Hier bekommen sie nach der Schule ein warmes Mittagessen und können in einem Nachbarraum ihre Hausaufgaben machen. Natürlich wird ihnen dabei geholfen. „Wir haben sogar zwei Lehrer und einen pensionierten Psychologen in unserem Team“, sagt Ocello.

Nur durch die ehrenamtlichen Helfer und durch Spenden kann die Gruppe existieren. Das Essen wird schon gekocht von der Wuppertaler Tafel geliefert, den Kuchen stellt die Bäckerei Myska. Nach den Mahlzeiten putzen die Kinder gemeinsam ihre Zähne. Für sie ist es wichtig, Rituale einzuhalten. Und danach kann gemeinsam gespielt werden.

Das Spielen findet der siebenjährige Erdem besonders schön: „Ich frage immer meinen Papa, ob ich kommen darf.“ Im Nachbarraum wird gekickert. David (11) steht Ehrenamtler Lukas Roosen gegenüber und versucht, den Ball ins Tor zu schießen. David hat hier neue Freunde gefunden — und Roosen, das, was er zu Hause nicht hat: „Es macht Spaß. Und so eine Einrichtung für Kinder muss sein.“

Oft gehen die Betreuer am Nachmittag mit neuen Sorgen nach Hause: „Klar, wir versuchen immer Lösungen für die Kinder zu finden. Sprechen mit Eltern und Lehrern“, sagt Melike Baysal. Ihr Lohn: „Es ist einfach toll zu sehen, wie schnell sich die Kinder entwickeln. Einige haben mit uns am Anfang kein Wort gesprochen, jetzt ist das gar nicht mehr vorstellbar.“