Karnevalisten lassen die Stadthalle beben

Karneval : Karnevalisten lassen die Stadthalle beben

„Närrische Stadthalle“ verband Witz und Artistik mit einem guten Zweck.

Warum die von der Karnevallsgesellschaft Colmar v. 1990 inszenierte „Närrische Stadthalle“ immer ein Jahr im Voraus ausverkauft ist, bedarf schon seit geraumer Zeit keiner Frage mehr: Weil sie neben dem Rosensonntagszug der absolute Höhepunkt im Wuppertaler Karneval ist und die Jecken bis zum von den Wuppertaler Originalen nach Mitternacht intonierten „Ich bin verliebt in eine Stadt“ auf den Plätzen hält.

900 Fastelovend-Fans waren es in diesem Jahr, und wenn so mancher würdige Herr an den Tischen einen leicht vornüber geneigten Gang hatte, dann lag das nicht nur an dem sprichwörtlichen Schalk im Nacken, sondern auch an der vor der Brust klimpernden Ordensfülle. Einer hatte diesmal auf derartige Ehrenzeichen ganz verzichtet: Der in Köln gebürtige Sozialdezernent Stefan Kühn, der die edle Denkerstirn mit güldenem Lorbeer bekränzt hatte und in Toga und Tunika einen Respekt einflößenden Imperator Gaius Julius Caesar abgab, folgte ebenfalls dem Programm, das Sitzungspräsident Armin Loose instinktsicher zusammengestellt hatte.

Show-Garden erbringen
artistische Leistungen

Alles begann mit dem Einzug des Elferrates und der in Hundertschaft angetretenen Prinzengarde Köln, die nicht nur die Bühne dicht bevölkerte, sondern mit Säbel und Gewehr allerlei unmilitärischen Unsinn betrieb. Funkemariechen und Tanzmajor lieferten bei ihrer Gala-Show eine artistische Darbietung.

Getoppt wurde diese nur von den Cheerleadern des 1. FC Köln. Die 25 „Mädche“ drehten Salti in der Luft, ließen sich fast bis an die Hallendecke katapultieren und dann sicher auffangen, bauten Pyramiden und machten bei sportlichen Höchstleistungen nicht nur fröhliche Gesichter, sondern sangen die als Begleitmusik gespielten Karnevalshits munter mit. „Wenn die kölschen Fußballer auf dem Rasen ähnlich starke Leistungen zeigen würden, wären sie regelmäßig in der Champions League“, war die einhellige Meinung im Saal.

Ein Nordlicht aus dem „drögen“ Hamburg, nämlich Andreas Römer, war zuständig für die Lachmuskulatur. Der Bauchredner hatte sich neben Sitzungspräsident Armin Loose auch dessen Vertreter Hans Joachim Schmidt und Robert Böger ans Mikrofon geholt und ihnen herrlich doofe Mundmasken verpasst. Die bewegten sich, und aus den verkleideten Mündern der Elferratsmitglieder tönte dann mit unterschiedlichen Stimmen blühender Blödsinn.

Zahlreiche Kartenwünsche für
die „Närrische Stadthalle“ 2020

Da die drei von der KaGe Colmar das Ganze – absolut ungeübt wie Armin Loose später versicherte – noch mit originellen Gesten würzten, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Das Stimmungs-Level wurde auch von den „Kölschen Adler“, die einen Ausflug auf die Tische im Saal unternahmen, ebenso auf Top-Niveau gehalten wie von den Koblenzer Rentnern „Willi und Ernst“, die mit OB Andreas Mucke, der die lange Liste der Politiker anführte, ihre despektierlichen Späßchen trieben.

Was fürs Auge boten die mehrfachen Europa- und Weltmeister im Show-Tanz, „Calypso“ aus Duisburg, bei denen es auch mal in die dritte Etage ging, von wo man aus höherer Perspektive auf den Elferrat und das einmal mehr bestens disponierte Wuppertaler Prinzenpaar, Stephan I. und Sabine I., herabsehen konnte. Ohne männliche Hilfe übrigens kamen die 30 Damen aus dem Ruhrpott aus.

Die „Närrische Stadthalle“ hat neben seinen Glanznummern aber noch eine charakteristische Seite: Die Tischsammlung zugunsten krebskranker Kinder, die mit dem „Spass an der Freud“ einhergeht. „7100 Euro an Spendengeld kamen diesmal zusammen“, sagte Armin Loose bei der finanziellen Bestandsaufnahme erfreut.

Ja, und als die Ka Ge Colmar in den am Eingang aufgestellten Karton mit den Kartenwünschen für den 17. Januar 2020 schaute, da war der schon wieder bestens gefüllt.

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