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Italienische Villa in Wuppertal: Zwischen Funktion und Tradition

Historische Gebäude : Italienische Villa: Zwischen Funktion und Tradition

Die italienische Villa, Heimat der Technischen Akademie, war einst für südländische Wetterverhältnisse ausgelegt.

Sie ist das „Große Finale der Villenarchitektur“ im Zooviertel, das imposante Gebäude, das Rudolf Hermanns und Kuno Riemann, die Architekten des Zooviertels,  1902 im italienischen Stil errichten ließen.  Das nach wie vor prachtvolle Haus ist seit Jahren zusammen mit der daneben liegenden Villa Wittenstein die Heimat der Technischen Akademie Wuppertal (TAW), deren Dozenten, Angestellten und Weiterbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer natürlich bewusst ist, dass sie an historischer Stätte lehren und lernen.

Institutsleiter und Vorstand Stefan Kirschsieper und Unternehmensberaterin Sandra Herzenbruch, führen durch das Haus an der Hubertusallee, die sich dort mit  Annenstraße und Jägerstraße kreuzt.

„Gewiss werden sich bei vielen noblen Villen in Elberfeld und Barmen einzelne Architekturteile italienischer Prägung finden lassen, aber nirgends in der Fülle wie beim ,Haus Hermanns’“, berichtet Reinald Schneider, Anwohner und Architekturkenner. Er kann eine ganze Reihe von Gebäudeteilen aufzählen, die sich in ähnlicher Form auch in römischen Prachtbauten  finden lassen. Allerdings  stellte sich im Laufe der Jahre heraus, dass die für südländische Klimaverhältnisse gebaute Villa für  bergisches Wetter eher weniger geeignet war, was umfangreiche Umbauten erforderlich machte, mit denen auch ein großer Teil des italienischen Charmes verloren ging. Der Krefelder Architekt August Biebricher war für Funktionalität nach den Erfordernissen nördlicher Breiten verantwortlich.  Doch das geschah erst, nachdem die Familie Hermanns das Anwesen verlassen hatte:  Rudolf Hermanns verstarb nämlich 1909 im Alter von nur 56 Jahren.

Imposante Freitreppe
und edle Hölzer

Doch einiges ist noch von der einstigen Pracht erhalten geblieben. So die imposante Freitreppe, die Säulen am Eingang, der Blick auf die typisch gerahmten Fenster. Und im Inneren die Gediegenheit ausstrahlenden edlen Hölzer, Treppen und Verkleidungen aus Marmor. In dem  großzügigen Saal, der früher prunkvollen Empfängen diente, nehmen die Weiterbildungsteilnehmer  (außerhalb der Pandemie) das Essen ein. Und nur ein riesiger, verzierter  Spiegel mit einer auf  halber Höhe angebrachten wuchtigen Marmorplatte erinnert noch an Cocktail- und Sektempfänge, die der spätere Besitzer Paul Eisfeller, ein vermögender Elberfelder Textil-Unternehmer, oder nach dessen Auszug die Firma Bayer, für ihre Gäste gegeben hatten. „Vielleicht wurde auf der Marmorplatte auch das Buffet angerichtet“, vermutet Sandra Herzenbruch,  und Kirschsieper fügt hinzu: „Über vieles, was hier im Haus angelegt wurde, existieren keine Unterlagen. Da kann man nur spekulieren.“

So erhebend der Anblick von den Terrassen im ersten Stock auf die Alleen vorn heraus und auf der Rückseite auf Zoo und Stadion ist, und so amüsant sich der Trompetenstoß aus dem Elefantengehege anhört, so faszinierend sind auch die Blicke in die unteren Stockwerke, die für den Unkundigen einem Labyrinth gleichen. „Ich habe rund ein halbes Jahr gebraucht, bis ich mich hier im ganzen Haus zurecht gefunden habe“, gesteht Kirchsieper, der gewandt über die schmale „Gesindetreppe“ für das damals unterm Dach wohnende Hauspersonal in die oberen Kellerräume führt, die früher einmal den Küchentrakt beherbergten. Auffällig, dass  auch in den tieferen Regionen die soliden Holztüren meist noch mit Schnitzereien versehen waren. Ein Schacht diente als Speisenaufzug. Und auch wenn man heute das Geschoss unter dem Keller betritt, fällt auf, dass nirgends ein muffiger typischer Kellergeruch wie in anderen alten Gemäuern zu bemerken ist. Nachträglich ein vorzügliches  Zeugnis für den Architekten Rudolf Hermanns, der auch die nötigen Entlüftungsschächte berücksichtigt hatte. Auch an die Gefahren des zweiten Weltkrieges und die Bombenangriffe war von den späteren Hauseigentümern gedacht worden: Hinter dichten Stahltüren waren Bunkerräume mit einem verborgenen Schacht gemauert worden, durch den man ins Freie gelangen konnte, wenn die einstige Villa Hermanns eine Bombe getroffen hätte. Das Haus blieb davon verschont.

Eine Villa mit mehr als einem Jahrhundert Geschichte  dient jetzt der Fort- und Weiterbildung durch die TAW: „Wir lieben dieses Haus, aber es ist nicht immer einfach, Funktion und Tradition unter einen Hut zu bringen“, meint Kirschsieper.