Historische Orgel in Gefahr

Historische Orgel in Gefahr

Die Orgel der Friedhofskirche droht, von Pilzbefall zerstört zu werden. Eine neue Konzertreihe soll das Instrument retten.

Ölberg. Sie ist eine von Wuppertals bedeutendsten Orgeln in Wuppertals größtem Kirchenraum: die Sauer-Orgel in der Friedhofskirche auf dem Ölberg. Doch das 30-registrige Instrument aus dem Jahr 1898 ist ein Sanierungsfall. Der Grund: massiver Schimmelpilzbefall. Tragisch angesichts der Bedeutung des Instruments. "Es handelt sich um ein historisches Baudenkmal, das hier im Umkreis nur sehr selten zu finden ist", sagt Kantor Thorsten Pech.

Erbaut wurde das Instrument vom legendären Orgelbauer Wilhelm Sauer aus Frankfurt/Oder, der für seine besonders warm klingenden Orgeln bekannt ist. Dieser warme Klang könnte auf dem Ölberg bald verstummt sein: Der Schimmelpilz bedroht vor allem innenliegende Originalteile aus Eichenholz und Leder, die, falls sie nicht restauriert werden, höchstens noch ein bis zwei Jahre halten werden.

Die Uhr läuft also für das bedeutende Instrument, das mit einer besonderen, pneumatischen Tonsteuerung ausgestattet ist - erst sie hat eine Orgel dieser Größe möglich gemacht. Der Hersteller Wilhelm Sauer gilt heute noch als einer der besten Orgelbauer überhaupt. Er ist verantwortlich für so berühmte Orgeln wie die im Berliner Dom oder in der Leipziger Thomaskirche. Thorsten Pech plant deshalb zur Rettung der Orgel eine neue Konzertreihe mit dem Titel "Musik zur Nacht".

Das Konzept: Neben bewegenden Orgelklängen sollen wechselnde Gastmusiker das Publikum unterhalten. Der Erlös der Nachtkonzerte wird zu hundert Prozent in die Restauration der Orgel gesteckt. Auch ein Spendenkonto wurde eingerichtet. Ein Sachverständiger der Evangelischen Kirche hat den Schaden in Augenschein genommen und wird Ende September ein Gutachten präsentieren, das als Grundlage für den Restaurierungsauftrag dient. "Wir rechnen mit Kosten im sechsstelligen Bereich", so Pfarrer Andreas Knorr.

Zum Vergleich: Die Teilsanierung 1995, bei der die Orgel teilweise in ihren Originalzustand zurückversetzt wurde, kostete rund 250000 Mark - die auch damals komplett durch Spenden aufgebracht wurden. Von Schimmelbefall war damals noch nichts zu sehen. Thorsten Pech hofft nun auf hohe Besucherzahlen bei den nächtlichen Konzerten, damit seine Orgel erneut gerettet werden kann. "Aber", warnt der Kantor, "es muss schnell gehandelt werden." Sonst wird die Orgel bald nicht mehr spielbar sein.

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