Hausmeister Frohwerk sagt Tschüss

Der 96-Jährige hat 46 Jahre lang jeden Grundschüler im Stadtteil kennengelernt.

Sonnborn. Am Ende verlässt die Sonnborner Legende mit dem Rollstuhl die Stadt. In seiner schwarzen Lederjacke kehrt Otto Frohwerk der Stadt den Rücken, den Regenschirm an sein Gefährt geklemmt. 34 Jahre lang hat der heute 96-Jährige als Hausmeister alle Sonnborner Kinder begrüßt. Erst in der Schule an der Alten Dorfstraße, die jüngst abgerissen wurde, dann an der Sillerstraße. Jetzt zieht der Hausmeister zu seiner Enkelin nach Goch an der holländischen Grenze.

Am Mittwochmorgen wurde er von einigen seiner ehemaligen Schülern verabschiedet. Die Überraschung ist gelungen: Der Senior freut sich sichtlich, als sich die Tür der Sonnborner Straße 142 öffnet und er die bekannten Gesichter sieht.

Viel Zeit hat Otto Frohwerk nicht. Er muss seinen Zug bekommen, vorher will er kurz auf den Friedhof. So bleibt nur wenig Zeit, sich zu verabschieden. Der Hausmeister war an der Schule immer Ansprechpartner für alle. Einen Unterschied zwischen Schüler, Lehrer und Rektor hat er nie gemacht, erzählt Walter Kemper, der mit Frohwerks Sohn von 1950 bis 1954 zur Schule gegangen ist: „Wenn niemand mehr weiter wusste, wusste er immer eine Lösung.“

Und er hatte immer etwas zu essen, was gerade den Nachkriegskindern gut tat. „Wir hatten ja nichts“, sagt eine ehemalige Schülerin. Da war der Haferschleim willkommen, obwohl er nicht besonders lecker war. „So eine grüne Suppe, furchtbar“, sagt Frohwerk. Gegessen wurde sie trotzdem.

Frohwerk hat die Alte Dorfschule 1946 mit drei Klassen miteröffnet, nachdem er 1945 aus dem Militärdienst kam. Seitdem hat er tausende Schüler gesehen, für die er immer ein offenes Ohr hatte. Seine Freundlichkeit, die er heute noch besitzt, ist wohl allen älteren Sonnbornern bestens in Erinnerung. Denn wenn sonst zu Klassentreffen vielleicht gerade einmal der alte Lehrer eingeladen wird, ist das in Sonnborn anders. Otto Frohwerk kommt gerne vorbei.

Und selbst jetzt: Goch ist nicht aus der Welt. „Du meldest dich, wenn du angekommen bist“, sagt Erika Knittel. Und Frohwerks Antwort: „Ich bin nächste Woche ja schon wieder hier.“

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