Hallenbad am Röttgen: Protest gegen die kurzen Öffnungszeiten

Hallenbad am Röttgen: Protest gegen die kurzen Öffnungszeiten

Für die Hobbyschwimmer bleiben im Hallenbad am Röttgen nur wenige Stunden in der Woche. Die Stadt hat zu wenig Personal.

Uellendahl. Die Bäder-Situation in Wuppertal ist prekär. Weil die Stadt sparen muss, wurden mehrere Bäder geschlossen — und teilweise von privaten Vereinen wieder eröffnet. Da sollte es eine gute Nachricht sein, dass das Hallenbad am Röttgen nach der Sanierung wieder geöffnet ist. Zumal das Bad mit 2,3 Millionen Euro aus dem Konjunktur-Paket II komplett erneuert und behindertengerecht umgebaut wurde. Doch weil die Stadt auch beim Personal sparen muss, ist das Hallenbad nur montags bis freitags von 6.45 bis 9 Uhr, sowie freitags von 17 bis 21 Uhr geöffnet. Zu kurz, sagen die Besucher am WZ-Mobil.

„Warum konnten die Zeiten nicht so bleiben, wie sie waren?“, fragt Gisela Pils. „Wir sind früher immer um 11 Uhr schwimmen gegangen, jetzt ist um 8 Uhr Kassenschluss“. Dass die ohnehin schon stark eingeschränkten Öffnungszeiten bei genauerem Hinsehen noch kürzer sind, ist auch Walter Bruse aufgefallen: „Rein kommt man nur bis 8 Uhr. Aber das spielt keine Rolle, denn um halb 9 Uhr pfeift der Bademeister. Dann müssen alle aus dem Wasser, damit sie pünktlich das Gebäude verlassen.“ Ein zusätzliches Problem: Die neuen Schwimmzeiten kollidieren mit den Fahrtickets vieler Schwimmer. „Ich besitze ein Ticket 2000, das erst ab 9 Uhr gültig ist. Dieses Ticket ist deutlich günstiger, und bisher bin ich damit gut ausgekommen“, erklärt Kirsten Werth. Um ab und zu ins Schwimmbad zu können, will sie kein teureres Ticket kaufen. „Der Weg ist für die kurze zeit auch einfach zu lang“, sagt Edith Brand, die vom Dönberg zum Röttgen kommt.

Bei den knappen Zeiten am Freitag sehen viele Besucher die Gefahr, dass das Bad zu voll wird. „Viele Leute wenden sich an uns und beschweren sich über die Öffnungszeiten“, sagt auch Karl-Eberhard Wilhelm, Vorsitzender des Bürgervereins und des Bürgerforums Uellendahl. Gerade die ältere Generation sei betroffen. „Dabei hat die Uellendahl mit aufgebaut.“

Ellen Grob fügt an: „Auch die Kinder, die nicht Mitglied in einem Verein sind, wollen schwimmen gehen, Nicht alle Eltern haben ein Auto.“

Im Hinblick auf die vielen Kurse sagt Bärbel Hempel: „Ich finde das unverschämt, das soll doch ein Stadtbad sein und kein Reha-Bad.“

Lob gab es dagegen für die Sanierung. „Das Bad ist sehr schön geworden: tolle Duschen und schöne Farben“, lobt Dagmar Lamster. Außerdem sei es am Röttgen viel familiärer als zum Beispiel in der Schwimmoper, sagt Robert Herbst. Auch Andreas Behrmann und Olena Klymenko, die ihre Kinder zum Vereinsschwimmen bringen, sind froh, wieder am Röttgen zu sein. „Wir können den Ärger der Normalschwimmer über die Öffnungszeiten aber verstehen“, sagen die beiden.

Waldemar Henning ist bei der Eröffnung 1974 dabei gewesen und hat seitdem regelmäßig das Stadtbad besucht: „Wir alle wünschen uns, dass die Öffnungszeiten geändert werden.“ Die Stadt verweist allerdings darauf, dass angesichts der angespannten Personallage nicht öfter geöffnet werden könne (siehe Kasten).

Antonio Liuni, Betreiber des in der Nachbarschaft des Bades ansässigen Zeitschriften-Ladens, sieht die Diskussion um das Hallenbad auch im Gesamtzusammenhang zum Quartier. Viele kleine Lädchen hätten bereits zumachen müssen. „In der Zeit der Sanierung gab es weitere Einnahmenverluste“, so Liuni. Wenn das Bad seltener öffne, gebe es auch weniger Laufkundschaft. „Früher war hier am Röttgen einfach mehr los“, sagt auch Anwohner Jürgen Markolf.

Mehr von Westdeutsche Zeitung