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Griechisch-orthodoxe Gemeinde wird 50

Griechisch-orthodoxe Gemeinde wird 50

1967 schenkten Wuppertaler Christen den griechischen Gastarbeitern das Kirchengebäude an der Uellendahler Straße.

Uellendahl. Wer die griechisch-orthodoxe Kirche an der Uellendahler Straße betritt, stößt erst einmal auf die Schwebebahn. Laurentiu Tuturuga hat über den Eingang eine Ikone gemalt, in der Wuppertal mit all seinen Sehenswürdigkeiten vom heiligen Laurentius und dem Apostel Andreas zur lebensspendenden Quelle gebracht wird. „Damit wir zeigen, dass wir zur Stadt gehören und für sie beten“, erklärt Priester Eleftherios Argiropoulos. Er ist das Wuppertaler Oberhaupt von rund 7000 griechisch-orthodoxen Christen. Wobei die Zahl geschätzt ist, denn mangels Kirchensteuer gibt es keine Dokumente über die Religionszugehörigkeit.

Die Wuppertaler Gemeinde gehört zu den ältesten in Deutschland und feiert gerade ihr 50-jähriges Bestehen. In den 60er Jahren kamen viele Griechen als Gastarbeiter nach Deutschland und suchten hier auch eine geistliche Heimat. Etliche von ihnen arbeiteten damals für die Lackfabrik Herberts. Kurt Herberts war ein Griechenland-Fan und unterstützte die junge Gemeinde. Anfangs feierte sie ihre Gottesdienste in den umliegenden Kirchen. Als dann 1967 die reformierte Kirche an der Uellendahler Straße durch ein neues Gemeindezentrum ersetzt wurde, stellten die Kirchenkreise Elberfeld und Barmen sowie das Diakonische Werk das Gebäude samt Gemeinderäumen und Priesterwohnung der griechisch-orthodoxen Gemeinde zur Verfügung. Feierlich wurde es am 31. März 1967 im Beisein von Politikern und Geistlichen übergeben.

Damals war die 1896 gebaute Kapelle noch weiß gestrichen und hatte einen kleinen Dachreiter mit Glocken. Dieser musste jedoch aus statischen Gründen abgetragen werden. Deshalb stehen heute die Glocken vor der Kirche. An der Innengestaltung der Kirche arbeitet die Gemeinde stetig. „Wir haben damals viele Ikonen von anderen Gemeinden geliehen“, erklärt Eleftherios Argiropoulos. Da jedoch der Künstler Laurentius Tuturuga — in Wuppertal bekannt durch seine Bühnenbilder für das Kinder- und Jugendtheater — zur Gemeinde gehört, malt dieser immer wieder neue Ikonen für Decke und Wände.

Die prächtige holzgeschnitzte Abtrennung des Allerheiligsten wurde bereits 1967 angeschafft. Später kamen verzierte Holzstühle und ein Bischofsthron dazu. „An Ostern nehmen wir die Stühle aber heraus, sonst passen nicht alle in die Kirche hinein“, sagt Argiropoulos. Schon an normalen Sonntagen besuchen rund 350 Gläubige seinen Gottesdienst — obwohl der drei Stunden lang dauert. „Unsere Glaubensinhalte sind zu 99 Prozent identisch mit denen der Katholiken und Protestanten. Aber bei uns werden alle Gebete gelesen“, erklärt der Priester, der von seinen Gemeindemitgliedern „Vater“ genannt wird. Deshalb dauere alleine das Abendmahl mehr als eine Stunde. Die Gottesdienste werden auf Griechisch gehalten. Nur bei Trauungen oder Taufen wird häufig die deutsche Sprache verwendet.

Oft wird der „Vater“ zu Hausbesuchen gerufen. Zu Schuljahresbeginn segnet er die Schüler der griechischen Schule. Dazu muss er noch alle organisatorischen Aufgaben seiner Gemeinde erledigen — er ist der einzige bezahlte Mitarbeiter. Denn die ganze Gemeinde wird nur durch Spenden, die Kollekte und das Geld für die Gedenkkerzen finanziert. Viele Gemeindemitglieder helfen ehrenamtlich mit. „Wir haben mehr als 70 Frauen in der Diakonie — sie besuchen Kranke, Gefangene, sorgen für Sauberkeit“, sagt Argiropoulos.

Am Ostersamstag beginnt Argiropoulos um 6 Uhr früh, die Beichte abzunehmen. Bis zum Mittag strömen dann die Gläubigen zur Kirche. Und am Ostersonntag kommen so viele Gottesdienstbesucher, dass die Polizei den Verkehr regeln muss. Sechs Gottesdienste finden zwischen Karfreitag und Ostermontag statt. „Die Griechen sind sehr gläubig“, sagt der Priester. Auch wer in eine neue Wohnung zieht oder ein Geschäft eröffnet, lässt es von ihm segnen.