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Gespenstisches Marienheim: Große Pläne für die Ruine

Gespenstisches Marienheim: Große Pläne für die Ruine

Investor hält an Plänen fest. Brand soll für die Verzögerungen verantwortlich sein.

Hardt. Brandstiftung, randalierende Jugendliche und nächtliche Besucher, die auf dem Dach die Aussicht über Wuppertal genießen — das Marienheim auf der Hardt hat immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Nun gab der aktuelle Eigentümer — die Tal-Projekt GmbH hatte das ehemalige Krankenhaus 2008 von den Kliniken St. Antonius gekauft — gegenüber der WZ Auskunft über die Pläne für die Ex-Klinik, die bis 2003 in Betrieb stand. Demnach soll an dieser Stelle ein großes Wohnhaus entstehen. Geplant sind außerdem zwei Tiefgaragen mit etwa 100 Plätzen.

Laut des Geschäftsführers der GmbH seien die seit 2009 im Internet einzusehenden Konzeptgrafiken noch Stand der aktuellen Planung. Für eine massive Verzögerung der Umsetzung habe allerdings der Großbrand im Marienheim gesorgt. Wie berichtet, sollen zwei Jugendliche an Pfingsten 2010 ein Feuer im Marienheim gelegt haben. Die beiden Obergeschosse des an der Schlieperstraße gelegenen Flügels brannten komplett aus. Vor Gericht gaben sich die beiden 16-Jährigen gegenseitig die Schuld am Brand. Die Folge: Das Verfahren gegen sie wurde eingestellt.

Der Geschäftsführer von Tal-Projekt sagt, er sei vom Urteil sehr überrascht gewesen. Jetzt müsse die Versicherung entscheiden, ob eine Zivilklage gegen die mutmaßlichen Brandstifter angestrebt werde. Allerdings sei das Gutachten zum Brandschaden noch nicht fertig, seiner Schätzung nach dürfte der Schaden mit 300.000 Euro jedoch deutlich über der bisher gehandelten Summe liegen.

Die Pläne von Tal-Projekt sind indes umstritten. Der Gestaltungsbeirat der Stadt Wuppertal habe sich zu seiner Überraschung negativ geäußert, sagt der Geschäftsführer. Die Stadt wollte sich gegenüber der WZ nicht über die Kritik des Beirates äußern. Allerdings sei auffällig gewesen, dass die Verantwortlichen nur die Pläne eingereicht und das Projekt nicht — wie vor dem Gestaltungsbeirat sonst üblich — persönlich präsentiert hatten.

In der Bezirksvertretung wäre man froh, wenn sich endlich überhaupt etwas tun würde. „Man wird immer misstrauisch, wenn lange nichts passiert“, sagt Klaus Lüdemann (Grüne). Der Zustand des Marienheims sei „gruselig“, so Hans-Jürgen Vitenius (SPD). Erst neulich habe man sich bei einem Ortstermin wieder ordentlich geärgert. „Auch die Anwohner haben die Nase voll“, so Vitenius.

Das bestätigen Petra und Karl Geiß. „Das Marienheim ist ein Schandfleck. Als wir neulich mit unserem Besuch daran vorbei gelaufen sind, haben wir uns geschämt.“ Michael Schmidt sieht das Projekt kritisch. „Die Entwürfe passen schon optisch überhaupt nicht hier hin. Zudem weiß ich nicht, wie die Planung verkehrstechnisch umgesetzt werden sollte“, sagt der Anwohner, der ebenfalls den Zustand kritisiert: „Ein solches Eingangsportal für unser ’Dorf’ entwertet die ganze Gegend. Man kann so ein Gebäude doch nicht kaufen und so verfallen lassen.“

Der Geschäftsführer von Tal-Projekt berichtet hingegen von positiven Reaktionen. Den Anwohnern in der direkten Umgebung des Marienheims habe man die Pläne vorgestellt und sogar schon Unterschriften gesammelt, die das Projekt unterstützen.

Für Ärger bei Anwohnern und Besitzer sorgen unterdessen Jugendliche, die nachts in das ehemalige Krankenhaus einbrechen. Immer wieder werden Fenster eingeschlagen und Türen aufgebrochen, um sich Zugang zum Gebäude zu verschaffen. „Zurzeit müssen wir das Gebäude zwei bis drei Mal pro Woche auf unsere Kosten neu sichern“, erklärt der Tal-Projekt-Geschätsführer. Ein Zustand, der sich wohl erst mit dem Beginn der Renovierung des Marienheims ändern könnte.