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Briller Viertel: Friedhof — und gleichzeitig Sehenswürdigkeit

Briller Viertel : Friedhof — und gleichzeitig Sehenswürdigkeit

Auf dem Friedhof an der Katernberger Straße blühen ausschließlich Rosen in allen Formen und Farben.

Briller Viertel. Der Friedhof der Niederländisch-reformierten Gemeinde will erst einmal entdeckt werden. Von der Katernberger Straße aus ist er nicht zu sehen. Erst wenn Besucher auf die kleine Gemeindekirche zugehen und auf der rechten Seite hinter Bäume und Sträucher schauen, sehen sie eine weite Rasenfläche und Grabplatten aus hellem Sandstein. Sie liegen in langen Reihen da. Beschattet von unzähligen Rosensträuchern. Sie blühen in Rot und Rosa, Gelb und Weiß.

Die Rosen sind der einzige Grabschmuck, der auf dem Friedhof erlaubt ist. Warum das so ist, erklärt Gertrud Ziller. Als Kirchmeisterin ist sie für Finanzen, Gebäude und auch für den Friedhof zuständig. Sie zeigt auf das Grab von Hermann Friedrich Kohlbrügge (1803-1875), dem ersten Pastor der Gemeinde.

Als der Friedhof 1851 eingerichtet wurde, orientierte sich Kohlbrügge an den Herrnhuter Brüdergemeinden und deren Gemeinschaftsideal. „Egal wo wir im Leben stehen — im Tod sind wir alle gleich.“ Dem entsprechen die schlichten Grabsteine, auf denen nur die Namen und die Lebensdaten stehen. Keine Doktor- oder andere Ehrentitel, denn „das würde dem Gleichheitsgebot widersprechen.“

Diese Schlichtheit prägt selbst die Beerdigungszeremonie. „Bei uns ist es nicht üblich, Blumen mitzubringen. Blumen — die soll man sich zu Lebzeiten schenken.“

Dass gerade die Rose die Gräber schmückt, ist kein Zufall. Ziller zitiert eine Bibelstelle: „Israel soll blühen wie eine Rose.“ Deshalb die Rosenstöcke, die am Kopf der Gräber klein und groß, schmal und breit wachsen.

Ursprünglich hatten diese Unterschiede einen praktischen Grund. Da nur ein kleiner Teil des Friedhofsgeländes mit Bäumen bewachsen ist, sind die Rosen dem Regen und der Sonne stark ausgesetzt. „Also haben wir immer wieder andere Sorten ausprobiert.“

Die Gemeindemitglieder fanden Gefallen daran. „Wir dachten uns: Die Welt ist bunt. Warum sollen wir nicht auch die Vielfalt der Rosen zeigen?“ Und es ist dieser natürlich gewachsene Flickenteppich, der den Friedhof der niederländisch-reformierten Gemeinde zu einer Sehenswürdigkeit für alle Besucher macht.