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Erster Stolperstein für homosexuelles Opfer

Erster Stolperstein für homosexuelles Opfer

Am Mittwoch wurde an der Klotzbahn 12 ein Stolperstein für Alfred Kremer verlegt. Er starb 1941 im KZ Dachau.

Elberfeld. Es klingt beinahe mahnend, das Geräusch von Hammer und Meißel, als das Loch in den Boden geschlagen wird. Mahnen und erinnern soll aber vor allem der Stolperstein, der seit Mittwoch seinen Platz vor dem Gebäude an der Klotzbahn 12 hat. Darauf zu lesen ist der Name Alfred Julius Richard Kremer.

„Es ist der erste Stolperstein in Wuppertal für einen Homosexuellen als Opfer des Nationalsozialismus“, sagt Jürgen Wenke. Der Bochumer ist Mitarbeiter bei der Schwulen- und Lesbenberatung Rosa Strippe, die die Patenschaft für den Stolperstein übernommen hat. Die Initiative und die Recherche für die Verlegung in Wuppertal kamen von Wenke. In seiner Heimatstadt Bochum liegen bereits vier Steine für homosexuelle Opfer. „Ich halte es für sehr wichtig, auch diesen Menschen und ihrem Schicksal zu gedenken. Ich bin selbst homosexuell und möchte nicht, dass diese Opfer in Vergessenheit geraten“, erklärt er seine Beweggründe. Bei der Verlegung des Steines erzählt der Initiator von Kremers Leben, das was er in eineinhalb Jahren Recherche darüber herausfinden konnte: „Leider habe ich keine Fotos von Alfred Kremer, aber ich hoffe, dass dieser Stolperstein die Erinnerung an ihn wach hält.“

Gerade einmal 40 Jahre alt ist Alfred Kremer geworden. Am 3. Februar 1900 ist er als Sohn von Julius und Clara Kremer in Elberfeld geboren. Sein Vater verstarb früh, seine Mutter heiratete ein zweites Mal, den Elektrotechniker Bernhard Peters. Kremer übernahm den Beruf des Stiefvaters und führte in den 1930er Jahren ein Elektroinstallationsgeschäft an der Klotzbahn 12. In dem Haus lebte und arbeitete Kremer bis er am 11. August 1938 von der Polizei in Untersuchungshaft genommen wurde. Ab da begann sein Martyrium. 1938 wurde er als Homosexueller verurteilt, galt im Sprachjargon der Nationalsozialisten als „Berufsverbrecher nach § 175“. 1940 wurde er ins KZ Sachsenhausen deportiert, von da aus kam er ins KZ Dachau, wo er am 20. Januar 1941 starb. In seiner Todesurkunde steht „Versagen von Herz und Kreislauf“. „Das suggeriert einen natürlichen Tod, ist aber Ergebnis eines langen Leidensweges“, erklärt Wenke.