Eltern in Wuppertal sind empört: Stadtwerke wollen Schulbus-Fahrt streichen

ÖPNV-Kürzung: Eltern in Wuppertal sind empört: Stadtwerke wollen Schulbus-Fahrt streichen

Der Ärger ist groß: Seit Jahrzehnten fahren Kinder mit dem Schulbus zu einer Grundschule in Wuppertal. Das soll laut den Stadtwerken vorbei sein. Für Eltern ist das „indiskutabel“.

Seit Jahrzehnten kommen viele Kinder mit dem Bus zur Grundschule Nützenberger Straße und zur Sophienschule - und fahren auch mit dem Bus wieder nach Hause. Das soll jetzt vorbei sein: Die Stadtwerke wollen die Mittagsfahrten einstellen. Die Empörung darüber ist groß.

Morgens holen zwei Busse Kinder zum Beispiel aus dem Briller Viertel und von der Düsseldorfer Straße bis zur Pahlkestraße ab. Noch startet um 11.42, 12.42 und 13.15 Uhr je ein Bus zur Rückfahrt. Doch die Stadtwerke (WSW) sagen, in den Mittagsbussen säßen zu wenige Kinder. „Wir haben das anderthalb Jahre immer wieder gezählt“, sagt WSW-Sprecher Holger Stephan. Durchschnittlich seien fünf Kinder mit einem Bus gefahren. Bei Kosten von 100 000 Euro im Jahr sei das nicht wirtschaftlich.

Richard Voß, Leiter der Grundschule Nützenberger Straße, erfuhr durch einen Anruf am 2. November, dass die Fahrten drei Wochen später enden sollen. Er ist empört: „Das ist ein Skandal. Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt und sind wie vor den Kopf gestoßen.“

Nach einer Schul-Umfrage nutzten 20 bis 25 Kinder die Mittagsbusse. Beim Tag der offenen Tür habe er noch Eltern künftiger Schüler versichert, dass es einen Schulbus gebe. Die Entscheidung sei auch „verkehrspolitisch das falsche Signal“.

Für die betroffenen Kinder wird es schwierig. Das sagt Anna Oex, die an der Ecke Katernberger Straße/Buschhäuschen wohnt und deren Tochter den Bus nutzt. Ohne Bus müsste sie durch den Wald, durch eine Kleingartenanlage oder entlang viel befahrener Straßen wie dem Otto-Hausmann-Ring und vorbei an der Autobahnzufahrt laufen. Für Anna Oex „alles indiskutabel“. Es bleibe das Abholen mit dem Auto, was sie aber nicht will - aus ökologischen Gründen, weil sie „Eltern-Taxis“ problematisch findet und „weil ich den Kindern dieses Stück Selbstständigkeit erhalten will“.

Daher war sie am Mittwoch mit Schulleiter Voß, weiteren Müttern und Kindern bei der Sitzung der Bezirksvertretung Elberfeld-West, um das Problem bekannt zu machen. Die Politiker sind ebenso verärgert: Sabine Schäfer (SPD) kritisiert die schlechte Kommunikation, Karl Kühme (CDU) verweist auf die lange Geschichte des Busses, der für eine gemischte Schülerschaft sorge. Die BV beschloss einstimmig, dass der Bus zumindest bis zum Ende des Schuljahres fahren soll. Und setzten ein Zeichen, auch wenn der Beschluss nicht bindend ist.

WSW-Sprecher Stephan sagt, man werde sich mit der Stadt zusammensetzen, die die meisten anderen Schulbusse betreibt, und beraten. Für die schlechte Kommunikation, sagt er, entschuldigten sie sich: „Wir geloben Besserung.“

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