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Eine Box als Appetizer für die große Farm

Eine Box als Appetizer für die große Farm

Pläne für alte Bahnbrache: Auf dem Parkplatz in der Steinbeck wird dafür geworben.

Steinbeck/Arrenberg. Kunden in der Steinbeck dürfte sie schon aufgefallen sein: Die Farmbox auf dem Akzenta-Parkplatz. „Gemüse wächst dort schon“, erklärt Biologin Julia Dronka, die das Projekt mit betreut. Und bald kommen auch die Fische. „So in drei Wochen“, schätzt die 32-Jährige. Was Laien dann am ehesten für ein Aquarium mit kleiner Gemüsezucht halten, soll aber ganz andere Aufgaben erfüllen. „Die Farmbox repräsentiert die wesentlichen Themen des Klimaquartiers Arrenberg“, sagt Jörg Heynkes. „Nachhaltige Ernährung, Mobilität und Energieversorgung.“ Jeden Freitagmittag und Samstagvormittag erklären Dronka oder andere Aktivisten Besuchern, worum es dabei geht — mit der Farmbox als Anschauungsobjekt. „An den anderen Tagen wird auf einem Monitor ein Film zum Thema laufen“, so Dronka, die beruhigt. Natürlich werde jeden Tag jemand ein Auge auf die Fische haben.


Doch die Farmbox ist noch mehr, sozusagen Werbung für eine Vision: Auf einem gut 60 000 Quadratmeter großen Brachgrundstück der Bahn zwischen Arrenberg und Steinbeck soll eine Farm entstehen, mit Fischzucht und Gemüseanbau, erstmals im Zentrum einer deutschen Großstadt — und inklusive eines geschlossenen Nährstoff-Wasserkreislaufs und autarker Energieversorgung. Mit Farmladen, Brauerei, Destillerie, einem Hotelressort und, und, und. „Den alten Bunker hier könnte man dann zum Beispiel als Wasserspeicher verwenden“, sagt Heynkes und gerät ins Schwärmen, wenn er von den Ideen für die Farm erzählt. Ideen, bei denen einige wieder skeptisch den Kopf schütteln und sagen werden: „Das wird nie was.“
Bei der Firma Küpper, die vieles am Arrenberg entwickelt hat und der die Bahnbrache zum Teil schon gehört, ist das anders. Man sei offen für auf den ersten Blick verrückte Ideen. „Und für das Brachgelände wäre das großartig“, sagt Sprecherin Sophie Blasberg. Eigene Pläne für das Areal habe man deshalb erst einmal zurückgestellt. „Wir haben da Zeit“, so Blasberg. Die Arrenberg-Farm wäre eine gute Gelegenheit, der Bevölkerung „erstmal sperrige Begriffe wie Klima und Energie vor Ort nahe zu bringen“. Besucher könnten „live“ lernen.
Zunächst müsse man aber schauen, „was realistisch ist, was wirtschaftlich ist“. Die Bahnbrache sei kein einfaches Gelände. Zu einem Zeit- oder Kostenplan wolle man sich bei Küpper deshalb noch nicht äußern. „Das können wir gar nicht“, sagt Blasberg. Auch eine Machbarkeitsstudie gebe es noch nicht. Sicher sei aber, dass es sich um ein Millionenprojekt handeln dürfte. „Im zweistelligen Bereich.“ Heynkes will sich um Fördertöpfe bemühen. Er lasse sich auch von Hindernissen nicht abschrecken, lobt Blasberg. Es sei wichtig, dass solche Leute hinter solchen Projekten stehen. Die Farm sei auf dem Weg „von einer Vision zu einer Perspektive“. Und die Farmbox, bei der zukünftig auch kleine Verkostungen geplant sind, wäre dann der Appetizer.