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Der Berg liest: Durch Lesen die Nachbarschaft fördern

Der Berg liest : Durch Lesen die Nachbarschaft fördern

Vom Keller über den Geldautomaten bis zum Bus: An über 70 Orten ging die Veranstaltungsreihe „Der Berg liest“ jetzt über die Bühne.

Ölberg. Dass eine Lesung mehr ist als das reine Rezitieren aus Büchern oder Textsammlungen, wird schon zum Auftakt des Lesefestivals „Der Berg liest“ deutlich. Uwe Peter, Veranstalter des Lesemarathons in der Nordstadt, sitzt am Sonntag gegen 10 Uhr in der Küche seiner Wohnung in der Schusterstraße 58. Es riecht nach Kaffee und warmen Croissants, die in einem Nudelsieb auf dem Tisch stehen. Etwa ein halbes Dutzend Besucher hört ihm gespannt zu.

Der Berg liest: Durch Lesen die Nachbarschaft fördern
Foto: Gerhard Bartsch

Peter liest aus dem 2013 erschienen Roman „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ von Robin Sloan. Das Buch passt gut zum Thema des Tages, handelt es doch von der Faszination des gedruckten Wortes auch in Zeiten der Digitalisierung. „Ich hatte das Buch geschenkt bekommen. Ich habe angefangen darin zu lesen und fand es nett“, erzählt er.

Der Berg liest: Durch Lesen die Nachbarschaft fördern

Zu den Besuchern gehören auch Iris Colsman und ihr Freund James Gettys. Sie wohnen gleich in der Nachbarschaft und nutzen das Lesefestival im Quartier, um sich etwas umzusehen. „Da kommt man an viele Stellen, an die man sonst nicht kommt“, sagt Colsman, die das Festival auch durch eigene Beiträge unterstützt. Man könne Wohnungen besuchen und sehen, „wie andere Menschen leben“, ergänzt Gettys.

Auch für Veranstalter Peter ist dieser Aspekt besonders wichtig. „Es geht darum, die Nachbarschaft hier im Viertel zu fördern“, erklärt er. Das spiele neben der Idee der Förderung des Lesens ein entscheidende Rolle.

Über 70 Leseorte bietet die Veranstaltung „Der Berg liest“, fast 200 Termine stehen auf dem Programm: Da wird in der Küche oder im Keller gelesen, in der Autowerkstatt, am Geldautomaten oder im Bus. Die Literatur richtet sich an alle Altersgruppen: Das Spektrum reicht von Schülern der St.-Anna-Schule bis zu Senioren im Lutherstift. Zudem gibt es auch Lesungen in anderen Sprachen wie Italienisch, Türkisch oder Polnisch.

Da tragen zum Beispiel Schülerinnen im Foyer der St.-Anna-Schule selbstgeschriebene „Twittergeschichten“ vor. Dabei handelt es sich um Geschichten von 140 Zeichen Länge, die verschiedene Begebenheiten zum Thema haben. Die Auswahl ist sehr aktuell und auch durchaus bedrückend: Eine Schülerin liest von der Flucht eines Kindes aus Syrien, das in letzter Sekunde vor dem Ertrinken im Mittelmeer gerettet wird. Diese Geschichte erhält besonders viel Applaus vom Publikum.

Mit einem ernsten Thema befasst sich auch Erika Rösinger, die im Eingang zum reformierten Friedhof an der Hochstraße aus dem Kinderbuch „Ente, Tod und Tulpe“ von Wolf Erlbruch vorträgt. „Das ist eines meiner Lieblingsbücher. Es ist toll gezeichnet und kann von Kindern und Erwachsenen gelesen werden“, verrät sie.

Das Buch erzählt in kurzen Texten und anschaulichen Bildern, wie der Tod die Ente besucht, die beiden sich anfreunden und die Ente nach einigen Tagen stirbt. Zum Abschied gibt der Tod dem gefiederten Freund noch eine Tulpe mit auf die Reise.