Dönberger Schützen huldigen nun einer Königin

Dönberger Schützen huldigen nun einer Königin

Drei Tage lang sorgte das Schützenfest für beste Stimmung auf den Höhen. Am Montag wurde der Schützenkönig ermittelt.

Dönberg. Mit starrem, schwer ergründlichem Blick schaut Günter Nischwitz in die Runde und lässt den zeremoniellen Akt über sich ergehen. Bedächtig wird ihm die schwere Kette vom Hals genommen, die wenige Augenblicke später der neuen Regentin Susanne Köller umgelegt wird. Ausgerechnet eine Frau hat beim Dönberger Schützenfest am Thron des Kaisers gekratzt.

Nischwitz bleibt vorerst die Ehre einer Majestät. In zwei aufeinanderfolgenden Jahren hat er den Rang des Dönberger Schützenkönigs erreicht und war damit Kaiser geworden. Sollte Susanne Völler aber im kommenden Jahr nochmals Siegerin werden, so hätte sie damit den Kaiser abgeschossen.

Die Regularien beim großen Schießen erinnern durchaus an ritterliches Brauchtum und schließen auch eine strenge Kleiderordnung ein. Die, sagt der 1. Vorsitzende des Schützenvereins Achim Winkelsträter, würde der Jugend nicht unbedingt behagen. So ist Überalterung durchaus ein Problem des Vereins. Dennoch freut sich Winkelsträter, dass beim dreitägigen Schützenfest viele junge Leute geholfen haben: Angehörige und Freunde der Vereinsmitglieder.

Der Bund der Schützen hat aber noch andere Sorgen, zum Beispiel die, dass das Schießen lediglich als gemütlicher Zeitvertreib gilt. In Wahrheit sei es ein anstrengender Konzentrationssport, sagt Winkelsträter, der seit 27 Jahren dabei ist und in dieser Zeit schon drei Mal Schützenkönig wurde.

Mit Susanne Köller hat aber erst zum zweiten Mal eine Frau beim Dönberger Schießen gewonnen. Stolz trägt sie die Kette mit den Ehrenzeichen von 83 früheren Königen. Das ergibt ein mächtiges Gewicht von fast fünf Kilo und verweist auch auf eine schier unauslöschliche Tradition: 2014 wird der Verein 85 Jahre alt.

Sie sei durch eine Freundin auf den Sport aufmerksam geworden, sagt Köller. In den Verein konnte sie aber nicht einfach so eintreten, sondern musste nach alter Tradition berufen werden. Ihr Prinzgemahl Frank Klipp hat unterdessen nur schmückende Funktion — so wie zur Queen ein männliches Pendant gehört. Theoretisch, sagt Klipp, hätte er auch König werden können. Nur ist es ihm eben nicht gelungen, 26 von 30 Ringen zu treffen.

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