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„Die Spitzenforschung muss weit mehr gefördert werden“

„Die Spitzenforschung muss weit mehr gefördert werden“

Unirektor Lambert T. Koch sprach beim Entscheidertreffen von Wuppertalaktiv über seine Arbeit und sein Leben als Privatperson.

In der ehemaligen Markuskirche in Sonnborn warteten Mitglieder und Gäste von Wuppertalaktiv gespannt auf das angekündigte Gespräch mit Professor Lambert T. Koch, dem Rektor der Bergischen Universität. Christoph Nieder, der Vorsitzende der Initiative, und WZ-Verlagsleiter Jochen Eichelmann interviewten den Hochschulrektor, der neben seinen fachbezogenen Aussagen auch Einblicke in sein Privatleben gestattete.

So erfuhren die Zuhörer, dass Lambert T. Koch nicht nur mehrere Instrumente spielt und als Langstreckenläufer beeindruckende Leistungen aufzuweisen hat, sondern dass er von Jugend an ein leidenschaftlicher Fußballer war. „Dabei stand für mich der Teamgedanke im Vordergrund“, sagte Koch, den diese Leitidee in seinem gesamten Leben begleitet.

Im vergangenen Jahrzehnt seit seinem Amtsantritt als Rektor des „Unternehmens Bergische Uni“ mit seinen 22 000 Studierenden, 3500 Beschäftigten und acht Fakultäten, mehrfach zum „besten Rektor in Deutschland“ gekürt, sieht der Wirtschaftswissenschaftler Koch auch das als ein Ergebnis exzellenter Teamarbeit. „Ein Chef ist nur so gut wie das Team, das ihn umgibt“ war seine These. Wobei er allerdings auch den Einfluss seiner Eltern und seiner Lehrer würdigte, die, so erzählte er, den Grundstein zu seiner späteren Laufbahn gelegt hatten.

Lambert T. Koch über eine Bundesgartenschau in Wuppertal

Vorbilder? „Ich habe nie einzelne Menschen auf ein Podest gehoben, sondern stets auf herausragende Eigenschaften geschaut.“ Lambert T. Koch, während dessen Rektorat die Zahl der Studierenden und die Höhe der Drittmittelzuwendungen an der Bergischen Uni erheblich gestiegen sind, kam 1999 von Jena nach Wuppertal und traf dort nach eigenen Aussagen gleich auf „nette Menschen“, in deren Kreis er sich schnell wohl gefühlt habe.

Fragt man ihn nach überregionaler Bedeutung einzelner Fachbereiche „seiner“ Uni, so nennt Koch die Physik, die Wirtschaftswissenschaften, Design und Sicherheitstechnik.

Wuppertal entwickelt seiner Ansicht nach zu wenig berechtigtes Selbstbewusstsein. So findet Koch beispielsweise in der Idee, die Bundesgartenschau in Wuppertal zu veranstalten, faszinierend. „Wuppertal mit seinen großen Bürgerparks ist genau der richtige Ort für eine Bundesgartenschau“, sagt er. „Damit würde die Stadt in der allgemeinen Wahrnehmung in eine höhere Liga aufsteigen.“

Den Bildungssektor sieht der Uni-Rektor in Deutschland immer noch vernachlässigt. „Auf meinen vielen Reisen habe ich gesehen, dass andere Länder erheblich weiter sind.“ Und seine Worte ins Stammbuch der Bildungspolitiker: „Die Spitzenforschung muss weit mehr gefördert werden.“

Im Anschluss an das rund einstündige Podiumsgespräch hatten auch die Zuhörer Gelegenheit, den Unirektor zu befragen. Zum Beispiel, ob die Bergische Universität nicht besser nach Friedrich Engels, einem der größten Söhne Barmens, umbenannt werden sollte. „Eine Uni soll nach allen Seiten offen sein und nicht nur eine Richtung vorgeben“, sagte Koch, gestand jedoch: „Ich hätte Probleme damit, Rektor einer Friedrich-Engels-Universität zu sein.“