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Die Pilgertour zum Dönberg in Wuppertal

Kirchenjubiläum : Die Pilgertour zum Dönberg

Die Evangelische Kirchengemeinde wird 175 Jahre alt – Erinnerungen an die Anfänge auf dem Dönberg.

„Wahrzeichen und Wegweiser für Dönberg“ nennt die Evangelische Kirchengemeinde in ihrem Gemeindebrief ihre schlichte, aus grobem Sandstein errichtete Saalkirche, die in diesem Jahr 175 Jahre alt wird. Genauer gesagt am 20. August. 1846 wurde das Gotteshaus eingeweiht, und gleich an diesem Tage wurden Glauben und Standfestigkeit der Dönberger Christen harten Prüfungen unterworfen, denn „Schlagregen drohten in jedem Augenblicke sich zu ergießen“, wie es in alten Schriften heißt.

„Trotzdem sah man am Nachmittage dieses Tages ganze Scharen theilnehmender Freunde aus der ganzen Umgegend die vielfach gewundenen Waldwege zum Gipfel des Dönberges hinauf pilgern“ (Originaltext), liest man weiter, und dass das „Glöcklein ertönte“ und rund 4000 Menschen rund um die neue Kirche und deren Vorgänger, die alte Kapelle, versammelt gewesen sein mögen. Die Kirche, die heute rund 300 Gläubigen einen Sitzplatz bietet, wurde bald zum Siedlungskern und ist auch heute noch der Ortskern auf dem dörflich geprägten Dönberg.

Der gehörte bis zur Gründung der Evangelischen Gemeinde 1872 zur reformierten Gemeinde Langenberg. In dem Dönberger Schulhaus wurde am 12. Juni 1831 erstmals eine Bibelstunde durch zwei Seminaristen der Rheinischen Missionsgesellschaft abgehalten. Und das galt auch als Grundstein für die spätere Bildung einer evangelischen Gemeinde. Weil die Zahl derer, die nach religiöser Erbauung dürsteten, ständig stieg, wurden die christlichen Zusammenkünfte in eine der damals existierenden 16 Schenken auf dem Dönberg verlegt.

1832 folgte der Bau einer eigenen Kapelle mit Einweihung am 8. Juli. Sie hatte Platz für 400 Personen und erwies sich bald als zu klein – ein Anbau war erforderlich. Dann flaute die christliche Begeisterung spürbar ab, die Kapelle diente nur noch den sonntäglichen Gottesdiensten und wurde sanierungsbedürftig. Eine Renovierung wäre teurer als der Bau einer neuen Kirche geworden, und so entstand das nun 175 Jahre alte Bauwerk, das 1882 durch einen Kirchturm mit zweistimmigem Geläut zum Wahrzeichen wurde.

In der Zeit des Nationalsozialismus bekannte sich 1933 die Hälfte des Dönberger Presbyteriums mutig zur „Bekennenden Kirche“. Am 10. Mai 1940 musste das Gemeindehaus während des Krieges als Schreibstube zur Verfügung gestellt werden, ab Totensonntag 1941 wurden erstmals Gedenkgottesdienste für die im Krieg Gefallenen abgehalten, und in den letzten drei Kriegswochen wurde die Kirche beschlagnahmt und diente als Lagerhaus für Munitions- und Versorgungsgüter. Einmal wurde sogar ein totes Pferd in den Kirchenbänken abgelegt.

Nach dem Krieg gab es erfreuliche Nachrichten: Das zuletzt einstimmige Geläut wurde 1947 durch eine weitere Glocke ergänzt, und im Rahmen des Umbaus 1968 wurde der Altarraum verbreitert, eine Heizungsanlage eingebaut, und der Glockenturm erhielt ein dreistimmiges Geläut.

Die Evangelische Kirche Dönberg hat rund 2300 Gemeindemitglieder, die von dem Pfarrerehepaar Katrin und Jan Fragner betreut werden, die zu Corona-Zeiten nur noch 30 Gläubige zu den Gottesdiensten begrüßen dürfen. „Aber die Gemeindearbeit ist auch das Werk von rund 200 ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern“, lobt Hans-Joachim Lüppken, der Vorsitzende des Presbyteriums. Pfarrerin Katrin Fragner zeigt sich nicht nur vom gemeinschaftlichen Geist in der Gemeinde angetan, sondern findet auch nur positive Worte für die Zusammenarbeit mit dem „innovativen Presbyterium“. „Hier gibt es große Lust, Neues zu entdecken und mitzumachen. Bei uns auf dem Dönberg wird nach vorn gedacht“, lautet ihr Urteil über die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Presbyterium und dem Pfarrerehepaar in dem und um das nun bald 175 Jahre alten Gotteshaus.