Die Eisbären fiebern dem Winter entgegen

Wintervorbereitung : Die Eisbären fiebern dem Winter entgegen

Im Zoo sind die Vorbereitungen auf die kalte Jahreszeit abgeschlossen. Auch die Pudus und Vikunjas mögen es frostig.

Der Winter steht vor der Tür, auch wenn man bei den aktuellen Temperaturen kaum ein Gefühl dafür entwickeln kann. Im Wuppertaler Zoo sind die Vorbereitungen auf die kalte Jahreszeit größtenteils abgeschlossen. Die Minustemperaturen und der Schnee können kommen, denn die Vorrichtungen für die Tiere und den Parkbereich sind getroffen. Und dabei gibt es einiges zu beachten.

Silja Herberg, Kuratorin für den Huftierbereich und die Beutegreifer, berichtet: „Wichtig ist, dass die Gärtnerei genug Streugut und Splitt vorrätig hat und dass die Schneeketten intakt sind.“ Denn wenn es geschneit hat, räumt der zooeigene Unimog die Wege, damit die Besucher auch im Winter die Tierwelt gefahrlos genießen können. Und auch die in zwei Bereichen bekannten großen Mammmutblätter müssen gut eingepackt werden: „Die in ein Netz verpackten Blätter werden dann mit Laub bedeckt, wodurch eine Isolierschicht entsteht, damit der Frost die Pflanzen nicht zerstört“, erklärt Silja Herberg. Die tropischen Pflanzen, die der Kälte nicht trotzen können, wurden bereits vor dem ersten Frost in den Garagen im Zooareal untergebracht.

Ernährungstechnisch sei man durch das Obst und Gemüse, das ganzjährig geliefert werden kann, auf den Winter bestens vorbereitet, auch wenn es einen nicht für möglich gehaltenen Leckerbissen für die Tiere gibt: „Im Sommer zupfen ehrenamtliche Mitarbeiter des Zoovereins Laub von den Ästen, weil dann die Qualität am besten ist. Das wird dann zurecht geschnitten, für den Winter eingefroren, portionsweise aufgetaut und dann etwa an Okapis, Pudus, aber auch an Huftiere und Affen verfüttert“, sagt Silja Herberg.

Ein Pudu-Weibchen hält sich
bei Frost gerne draußen auf

Im Südamerika-Haus sitze beispielsweise eine Pudu-Dame, die sich sehr gern bei Frost im Außengehege aufhalte und die sehr robust sei. Für sie habe man eine Vorrichtung gebaut, die es ihr ermögliche, sich sowohl im Stall als auch draußen aufzuhalten, während ihre Gefährtin, ein Tapir-Weibchen, nicht nach draußen soll. So werde die Temperatur im Haus gehalten. Jürgen Abend, Teamleiter des Huftier-Teams, weiß, wie man die Umstellungen in der Winterzeit händelt: „Die Okapis haben beispielsweise weniger Präsenzzeiten in den Außenanlagen und sind häufiger im Stall zu finden. Da sorgen wir dann für Beschäftigungstherapie der Tiere, damit keine Langeweile aufkommt.“

Dass Eisbär, Schneeleopard, sibirischer Tiger und Co. die Kälte, besonders nach dem heißen Sommer, herbeisehnen und mehr Zeit im Freien verbringen wollen, versteht sich von selbst. Auch die Reptilien und Amphibien verbringen den Winter in ihren Anlagen. Besondere Vorkehrungen werden für die Sumpfschildkröten getroffen: „Der Teich wird ab Oktober nicht mehr gereinigt, wodurch sich ein für die Schildkröten schützendes Substrat ansammelt, so dass sie in ihrer gewohnten Umgebung überwintern können“, erklärt Silja Herberg. Damit die Wasservögel die Wasserflächen weiter benutzen können, wird mechanisch dafür gesorgt, dass das Wasser immer in Bewegung ist.

Die turkmenischen Agamen aus der Familie der Schuppenkriechtiere und auch die Zauneidechsen sind eher „hinter den Kulissen“, in kalten Ställen zu finden, da es Bereiche gibt, die durchfrieren könnten und sie in Lebensgefahr bringen würden. Auch die in unmittelbarer Nähe lebende Braunbärin geht so langsam in die Winterruhe. Ganz anders das Vikunja-Jungtier, dass viel draußen unterwegs sei, mit unglaublich dichtem Fell zur Welt kam und das im Winter noch dichter werde.

Natürlich bekommen auch die Elefanten ihre Ausgangszeiten und kommen immer wieder raus. „Auf die Elefantenbabys müssen wir dabei besonders achten und uns immer nach dem Kleinsten richten, weil der am schnellsten friert, wobei besonders die Ohren am empfindlichsten sind“, sagt Silja Herberg. Bei den anderen Tieren werde die Schiebevorrichtung geöffnet, wobei sich Lamellen davor schieben, und die Tiere bestimmen selbst, wann sie sich draußen aufhalten möchten. Man müsse natürlich darauf achten, dass die Häuser nicht auskühlen und immer Rückzugsmöglichkeiten in den geschützten Innenbereichen bestehen. Auch die tropischen Gänse und Enten werden in den Innenbereich verlagert, um sie vor der Kälte zu schützen. Damit die Besucher weiter alle Tiere im Wuppertaler Zoo, dessen Mitarbeiter sich stets um das Wohl der Tiere sorgen, erleben können, sind Tiere und Parkanlagen nun winterfest. Er kann also nun kommen – der Winter.

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